SPD-Unterbezirk lud zur Diskussion über den Rückkauf der Eon-Mitte-Beteiligungen

Gemeinden mit ins Boot

Diskutierten in der Bad Hersfelder Glimmesmühle (von links): Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke, SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender Manfred Fehr, SPD-Landtagsabgeordneter Torsten Warnecke und Rolf Gnadl vom Energieversorger Ovag. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. Klarheit bestand in der vom SPD-Unterbezirk Hersfeld-Rotenburg ausgerichteten Diskussionsveranstaltung zum Rückkauf der Eon-Mitte-Anteile (wir berichteten) am Montagabend nur in einem Punkt: Die Zukunft der Energieversorgung des Landkreises soll auf kommunale Füße gestellt werden.

Auf konkrete Finanzierungspläne für das favorisierte kommunale Modell wollten sich Rolf Gnadl von der Geschäftsleitung des kommunalen Energieversorgers Ovag, der SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Manfred Fehr, Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke jedoch nicht festlegen.

„Im Moment halten die Kommunen etwa 2,7 Prozent und die zwölf Landkreise der Region mit der Stadt Göttingen 26,7 Prozent der Anteile“, sagt Manfred Fehr. Zur Zeit werde der Kaufpreis des Netzes der Eon-Mitte mit weniger als 700 Millionen beziffert. „Mit 50 Prozent plus einer Aktie würden die Kreise nach dem Rückkauf Mehrheitseigner bleiben. Der Rest könnte an regionale Partner weiterveräußert werden.“

Nach Fehrs Rechenexempel hätte allein der Kreis Hersfeld-Rotenburg für den Rückkauf der Eon-Mitte-Anteile rund sechs Millionen Euro aufzubringen. Geld, für das in Zeiten knapper Kassen ein Kredit aufgenommen werden müsse: „Der Netzbetrieb in kommunaler Hand muss dann so viel Gewinn abwerfen, dass zumindest die Zinslast und deren Tilgung abgedeckt sind“, sagt der ehemalige Rotenburger Bürgermeister.

Rückkauf rentiert sich

Ovag-Vorstandsmitglied Gnadl geht davon aus, dass sich ein Rückkauf der Anteile lohne. Die Wiederaufnahme der alten Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) sei nicht nur für die Region eine gute Sache, sondern werde sich auch als rentabel erweisen. Die Landkreise ihrerseits brauchten aber Partner, die sich auf das Geschäft verstehen, Kunden gewinnen, beliefern und abrechenen können und sich am Markt auskennen.

„Der Eon-Mitte-Vertrieb wird nicht mitverkauft“, sagt Gnadl. Die Kasseler Eon-Tochter sei kein vollständiges Unternehmen mehr. Vom Kundenservice über den Vertrieb würden viele Arbeiten in andere Eon-Unternehmen verlagert, an denen wiederum Eon- Mitte beteiligt ist.

Keine Alternative zum Kauf

„Diese Beteiligungen müssten für den Verkauf wieder aus dem Eon-Konzern herausgelöst werden, was die Sache nicht einfacher macht“, sagt Gnadl. Eine wünschenswerte Alternative gebe es aber kaum: „Wenn das Vorkaufsrecht der kommunalen Alt-Aktionäre verfällt, bietet Eon seine Anteile auf dem freien Markt an“. Ein Ausbau regenerativer Energien in der Region rücke somit in weite Ferne.

Von Emily Spanel

Kommentare