Nachfahren ehemaliger jüdischer Schüler aus USA zu Besuch an der Bad Hersfelder Konrad-Duden-Schule

Gelungene Würdigungen

Besuch an der Konrad-Duden-Schule (von links): Gene Hahn-Stewart, Frances Hahn-Stewart, Schulleiterin Susanne Hofmann, Dr. Heinrich Nuhn. Foto: Heiko Glunde

Bad hersfeld. Zum wiederholten Male hatte die Konrad-Duden-Schule (KDS) Besuch von Nachfahren ehemaliger jüdischer Schüler. Diesmal war es Frances Hahn-Stewart, die zusammen mit ihrem Ehemann Gene aus New York an den Ort kam, wo ihr Vater Isfried Hahn im März 1913 das Zeugnis der Mittleren Reife erworben hatte.

Schulleiterin Susanne Hofmann machte die Besucher mit dem pädagogischen Konzept der KDS bekannt, das auf großes Interesse stieß. Insbesondere staunten die Gäste über die von den Hersfelder Schülerinnen und Schülern erbrachten kreativ-künstlerischen Leistungen und die damit verbundenen Würdigungen auf Landesebene.

Isfried Hahn hatte im Ersten Weltkrieg als Frontsoldat gekämpft. Deshalb galt die besondere Aufmerksamkeit seiner Tochter der neu gestalteten Ehrenhalle im Aulagebäude, in der die 33 ehemaligen Schüler jüdischer Konfession, die Opfer des Holocaust wurden, ebenso einen Platz fanden wie die acht jungen jüdischen Männer, die als Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen, auf der 1936 angebrachten Gedenktafel aus politischen Gründen jedoch ignoriert wurden.

Patriotischer Übereifer

Dr. Arthur Hahn, der 1899 geborene Onkel des Gastes aus New York, war 1917 in patriotischem Übereifer noch vor dem Abitur zu den Waffen geeilt. Erst nach langer Kriegsgefangenschaft konnte er 1919 sein Jurastudium beginnen. In seiner an der Universität Würzburg vorgelegten Doktorarbeit thematisierte er die von ihm erlebten und erlittenen Verstöße gegen die in der Haager Landkriegsordnung festgelegten Regeln im Umgang mit Kriegsgefangenen.

Großvater Jakob Hahn war 1895 aus Rhina in die Lullusstadt gekommen, wo er zunächst in der Breitenstraße 10, dann in der Breitenstraße 22 eine Privatbank führte, ehe er 1905 in der Dudenstraße 7 ein repräsentatives Gebäude für sein Unternehmen errichten ließ. 1938 kam das erzwungene Aus für das zuletzt von Jakob Hahns Sohn Isfried geführte Bankhaus, dessen Geschäftstätigkeit sich weit über den lokalen Bereich hinaus erstreckte.

Erstaunt über Veränderungen

Frances Hahn-Stewart äußerte ein ums andere Mal ihr Erstaunen über die Veränderungen, die Hersfeld seit 1965 genommen hat, als sie in Begleitung ihrer Mutter erstmals die Region ihrer Vorfahren besuchte. Beim Bummel durch die Innenstadt zeigten sich die amerikanischen Besucher vor allem von der ethnischen Vielfalt der jetzigen Einwohnerschaft überrascht.

Große Zustimmung und Anerkennung fanden die kleinen Gedenktafeln in Form der sogenannten Stolpersteine vor den Häusern, in denen Bürger jüdischen Glaubens gewohnt hatten, die in der Hitlerdiktatur ermordet wurden.

Die Mitglieder der eigenen Familie und die nächsten Verwandten konnten diesem Schicksal durch Flucht ins Ausland entgehen. Der Verlust der angestammten Heimat und die Anstrengungen, die ihnen in der neuen Umgebung abverlangt wurden, waren für die Hahns jedoch eine das tägliche Leben über viele Jahre prägende Realität.

Um eine Besichtigung des ehemaligen Hahnschen Bankgebäudes in der Dudenstraße zu ermöglichen, war der jetzige Besitzer aus Südhessen eigens angereist. (red/phi)

Mehr zu den Hersfelder Hahns auf der Webseite www.hassia-judaica.de/Lebenswege.

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