Mehr zum Thema: Nicht überall ist der Neubau von Krötentunneln sinnvoll

Geld und Interesse fehlen

Vorsicht, Krötenwanderung: Wenn die Tage wärmer werden, machen sich die Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Der Straßenverkehr wird für sie zur Todesfalle. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Zugewachsene und verstopfte Tunneleingänge, kaputte oder falsch aufgebaute Schutzzäune, aber auch Konstruktionsfehler – die Liste der Mängel, die Jan Bornemann bei der Untersuchung der Krötentunnel im Landkreis festgestellt hat, ist lang.

Neben fehlendem Geld für die Instandhaltung hat der Biologielehrer auch mangelndes Interesse in Sachen Amphibienschutz bei den Behörden und Politik ausgemacht. Das habe teilweise auch dazu geführt, dass sich ehrenamtliche Naturschützer aus der Betreuung der Anlagen zurückgezogen hätten. Die Untüchtigkeit einiger Anlagen sei teilweise schon vor 20 Jahren dokumentiert worden. Dabei sind die Zuständigkeiten für die Krötentunnel nicht einheitlich. Für die neueren Anlagen sei die Straßenbauverwaltung Hessen Mobil zuständig. In deren Betreuungsbereich liege bei allen Anlagen auch die Tunnelröhre unter der Fahrbahn selbst. Bei den älteren Anlagen hätten die Naturschutzbehörden mit der Unterhaltung der Nebenanlagen wie Holzzäunen oder Zugängen teils die Forstämter, teils ehrenamtliche Naturschützer beauftragt. Die älteren Tunnel seien als sogenannte Einwegdurchlässe errichtet worden. Durch ein senkrechtes Einfallrohr gelangen die Tiere in die Röhre. Deren Öffnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite müsse hohl liegen, damit die Tiere sich nicht in den Ausgangsrohren der Gegenseite verirren. Genau das sei aber nicht bei allen Anlagen im Kreis der Fall.

Grundsätzlich hält Bornemann die Krötentunnel für eine sinnvolle Einrichtung. Ein Umsiedeln der Tiere in neu angelegte Laichgewässer jenseits der Straßen sei sehr aufwendig und müsse über Jahre kontrolliert werden. Durch mobile Krötenzäune und in die Erde eingegrabene Eimer, in welche die Tiere fallen und dann von Naturschützern auf die andere Seite getragen werden, lasse sich nur die Frühjahrswanderung abdecken. „Der Zeitpunkt der Jungtierwanderung lässt sich nur schwer bestimmen“, erläutert Bornemann. Allerdings müsse untersucht werden, ob wirklich jede Querungsmöglichkeit noch gebraucht werde. „Mancherorts hat sich die Qualität der Laichgewässer verschlechtert, sodass dort keine Tiere mehr laufen“.

Nicht überall kämen gefährdete Arten wie Kamm- oder Fadenmolche vor. „Teilweise dienen die Anlagen also nicht dem Arten- sondern nur dem Tierschutz. Wenn Erdkröten in größerer Zahl überfahren werden, kann das aber auch eine Gefahr für Motorradfahrer darstellen“, erklärt der Biologielehrer.

Schädlinge breiten sich aus

Wenn die Amphibienpopulation durch den Straßenverkehr dezimiert werde, habe das auch Auswirkungen auf das Ökosystem. So könnten sich Schädlinge mangels Fressfeinden stärker ausbreiten, verdeutlicht Bornemann. Das sagen...

Von Jan-Christoph Eisenberg

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