Auf dem gelben Wagen

Kai A. Struthoff

Was ist nur mit Thomas Fehling los? Ist Bad Hersfelds FDP-Bürgermeister das desaströse Erscheinungsbild seiner Partei auf den Magen geschlagen? Verständlich wäre es ja, da inzwischen selbst Unternehmer wie Heinrich Leist die Liberalen als „Untergang für den Kreis“ bezeichnen. Oder ärgert sich Fehling darüber, dass sein Sparhaushalt abgeschossen wurde? Sein Prestige-Projekt Pedway wurde beerdigt, und auch sonst erlaubt ihm das enge Finanzkorsett keine großen Sprünge. Nach einem Jahr im Amt lernt Fehling jetzt die Mühen der Ebene kennen.

Vielleicht liegt es an all diesem Verdruss, dass der Bürgermeister ohne Not einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet: Fehling kritisiert den Bad Hersfelder Weihnachtsmarkt und brüskiert damit die Veranstalter vom Stadtmarketingverein. Gewiss, über Geschmack lässt sich streiten.

Aber wir können froh sein, dass wir dank privater Initiative überhaupt einen Weihnachtsmarkt haben zu dem inzwischen sogar Bustouristen anreisen. Davon können andere Orte nur träumen, die oft erfolglos darum ringen, etwas weihnachtliche Stimmung in ihre Gassen zu bringen. Denn der Wettbewerb ist hart.

Das zeigt sich wohl auch auf Burg Herzberg. Der romantische mittelalterliche Weihnachtsmarkt war immer mein heimlicher Favorit in der Region. Aber leider wird der Markt von Jahr zu Jahr kleiner.

In Rotenburg ist unterdessen eingetreten, was alle befürchtet haben. An der Alheimer Kaserne wird nicht weitergebaut. Für Rotenburg wäre es verheerend, wenn die Bundeswehr dort eine Bauruine hinterlassen würde. Schneller als gedacht ist hier der erste Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der Polit-Versprechen erreicht. Wenn es Bund und Land mit ihren Hilfszusagen ehrlich meinen, dann müssen wenigstens die begonnenen Bauarbeiten fertiggestellt werden!

Trotz aller Probleme lässt sich Rotenburg nicht unterkriegen und singt seine Probleme – wenigstens für ein paar Stunden – einfach weg. Der Auftritt von Gotthilf Fischer war ein grandioser Erfolg – auch für die Geschäftsleute, die den Chorleiter eingeladen haben. Einheimische sagen, sie hätten die Stadt selten so voll gesehen. Man kann eben viel erreichen, wenn man nur zusammenhält.

Von diesem Zusammenhalt profitieren übrigens auch Menschen in Not, denn der Erlös der kollektiven Sangesfreude geht an die „Aktion Advent“ unserer Zeitung, wofür wir herzlich danke sagen!

Vielleicht wäre Singen auch ein Rezept für die gebeutelten Liberalen. Wie wär’s etwa mit „Hoch auf dem gelben Wagen“?

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