Nach dem Blitzeinschlag erklingen die Glocken der Stadtkirche nur im Notbetrieb

Geläut nur in Handarbeit

Alles in Handarbeit: Nach dem Blitzschaden in der Stadtkirche bedienst Küster Valentin Teminski die Glocken mit der alten Steuerung manuell im Notbetrieb. Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. Wenn die Glocken der Bad Hersfelder Stadtkirche in diesen Tagen zum Gottesdienst rufen und zum Vaterunser ein weiteres Mal läuten, dann funktioniert das nur, weil Küster Valentin Teminski in seinem Kämmerlein den alten Steuerungskasten aus den 50er Jahren in Handarbeit bedient. Denn seit dem kurzen, aber umso heftigeren Gewitter vom 10. August ist im Gotteshaus und den benachbarten kirchlichen Gebäuden die Elektrik weitgehend lahmgelegt – so auch die Programmautomatiken für Glocken und Glockenspiel (unsere Zeitung berichtete).

Auf einen fünfstelligen Betrag schätzt Pfarrer Frank Nico Jaeger die Schäden, die der Blitz durch Überspannungen angerichtet hat. Zwar sei die Kirche versichert, doch werden sich die Reparaturarbeiten vermutlich bis Mitte September hinziehen. Auch wann die Glocken wieder wie gewohnt läuten werden, kann derzeit niemand sagen.

Dagegen ist am Kirchturm für jedermann ersichtlich, wann das Unglück stattfand: Um zehn vor sechs ist die Uhr stehengeblieben.

Stadtkirchenkantor Sebastian Bethge ist allerdings schon wieder arbeitsfähig. Eine Woche lang musste er aufs Orgelspiel verzichten, bis das elektronische Innenleben der Registrieranlage seines Instruments wieder repariert war. Misslich war für ihn, dass dadurch fest eingeplante Konzertproben ausfielen.

Heizungstechnik betroffen

Auch die Heizungstechnik in der Kirche und die Steuerung eines Rolltores an einem Nebengebäude sind betroffen.

Erleichtert sind Jaeger, Bethge, Teminski und Kirchenvorstandvorsitzende Helga Voelker jedoch darüber, dass nicht noch mehr passiert ist. Der auch heute noch wahrnehmbare Brandgeruch im durchgeschmorten Verstärker für die Mikrofonanlage lässt ahnen, dass die Katastrophe eines Kirchenbrandes durchaus im Bereich des Möglichen lag.

Immerhin: Manuelles Glockenläuten im Notbetrieb bedeutet für Valentin Teminski nicht, dass er schweißtreibend an Seilen ziehen muss, wie etwa bei der Lullusglocke im Katharinenturm. Denn auch die alte und glücklicherweise noch vorhandene Steuerung lässt die Glocken auf Knopfdruck erklingen – nur eben nicht automatisch.

Von Karl Schönholtz

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