Bad Hersfelder Festspiele 2012: Eichhof-Stück „Ewig jung“ lebt von den Darstellern

Wie geil ist das denn?!

Kaum wiederzuerkennen: Hans-Christian Seeger als Herr Seeger, Franziska Becker als Frau Becker, Frank Jordan als Herr Jordan und Maddalena Noemi Hirschal als Frau Hirschal (von links) – „bewacht“ von Schwester Iris Stefanie (Iris Stefanie Maier, Mitte).

Bad Hersfeld. Ein spießig-grüner Rasenteppich, weiße Plastikstühle, Hollywood-Schaukel: das Bühnenbild von „Ewig jung“ wirkt auf den ersten Blick wenig originell. Doch die Darsteller rocken den Eichhof und machen den Innenhof des Schlosses in der Tat zu ihrer Bühne.

Die schrulligen Charaktere und die kleinen, aber feinen lokalen Spitzen machen den Charme des Stücks aus, das eigentlich keinem wirklichen Plot folgt, aber trotzdem nicht langweilig wird. Im Gegenteil, man kann sich kaum sattsehen an den bezaubernden „Senioren“, die da auf der Bühne agieren.

Sechs längst in die Jahre gekommene Festspiel-Schauspieler teilen im Jahr 2050 das gleiche Schicksal: Herr Ullrich (Stephan Ullrich), Frau Hirschal (Maddalena Noemi Hirschal), Herr Seeger (Hans-Christian Seeger), Frau Becker (Franziska Becker), Herr Jordan (Frank Jordan) und Herr Mahn (Thomas Mahn) sind in der stupiden Seniorenresidenz Eichhof „gefangen“ und schwelgen in Erinnerungen an alte Zeiten.

Da werden ehemalige Bühnen-Texte rezitiert und es wird vor allem viel und gut gesungen – Rock, Pop, Reggae, Blues. Altbekannte Lieder erhalten in der Situation und dank ihrer Interpreten ein ganz neues Flair.

Charmanter Klamauk

Das alles passiert hinter dem Rücken der strengen Schwester Iris Stefanie (überzogen theatralisch: Iris Stefanie Maier), die die Senioren lieber mit kindischen Singspielen beglückt und ihnen ihr Alter und den nahenden Tod immer wieder vor Augen führt. Wie sie mit großen Gesten und übertrieben akzentuiert von der „Kiste, die in den Ofen muss, singt“ – herrlich.

Ein wenig klamaukig ist „Ewig jung“, das der Autor Erik Gedeon als Songdrama bezeichnet, zwar schon – auch der obligatorische Furzwitz und eine sich versehentlich lösende Bein-Prothese fehlen nicht. Eine große Freude aber ist es, die kaum wieder zu erkennenden Schauspieler als Senioren agieren zu sehen. Den tattrigen Herrn Seeger – Hans-Christian Seeger führt auch Regie –, die punkige Frau Becker mit arg schlüpfrig-losem Mundwerk oder Herrn Ullrich im Rainer-Langhans-Gedächtnis-Outfit inklusive lackierter Zehennägel. Die Maske leistet bei „Ewig jung“ hervorragende Arbeit.

Schmunzeln lassen auch die Anspielungen in Bezug auf bekannte Akteure der Festspiele: Auf dem Flügel steht die Asche von Volker Lechtenbrink, ein Plakat weist den im Stück ebenfalls bereits verstorbenen Holk Freytag als Intendanten bis 2025 aus...

Bei der Premiere stimmte jedenfalls nicht nur das Wetter: Das Publikum kicherte und johlte. Besonders lauten Applaus bekamen Stephan Ullrich für sein berauschtes Medley, das nach der Pause geschickt wieder in die „Seniorenresidenz“ einlud, und Frank Jordan für seinen „graziösen“ Strip zu Joe Cockers „You can leave your hat on“ – schon tausendmal gesehen, aber eben noch nie so.

Am Ende blieb nur mit Frau Beckers Worten zu sagen: „Wie geil war das denn?“

Von Nadine Maaz

Kommentare