Montagsinterview: Geiger brauchen Disziplin, Spaß und Wissen

Geigerin Anastasia Boksgorn: "Der beste Beruf von allen"

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Ist gern mit ihrer Geige unterwegs: Anastasia Boksgorn, die nicht nur Konzerte gibt, sondern auch an der Stiftskirche in Rotenburg unterrichtet.

Hersfeld-Rotenburg. Sie liebt ihre Geige, weil sie durch sie eins wird mit der Musik: Wir sprachen mit der Bad Hersfelder Violinistin und Musikpädagogin Anastasia Boksgorn über musikalische Anfänge, über die Disziplin und Spaß und über die Kunst, Kinder zum Üben zu bringen.

Frau Boksgorn, warum gerade Geige? Anastasia  Boksgorn: Ich habe mir das nicht selbst ausgesucht. Meine Mama hat mich in die Musikschule geschickt, als ich vier Jahre alt war. Damals lebten wir noch in Kasachstan. Da läuft die musikalische Ausbildung ganz anders. Es wurde festgestellt, dass ich für Geige geeignet war, also spielte ich Geige.

Und Sie wünschen sich nicht manchmal, es wäre  stattdessen Cello geworden oder Trompete? Boksgorn: Nein, überhaupt nicht. Ich bin glücklich mit der Geige. Sie ist ein sehr, sehr schönes Instrument.

Was kann sie, was andere Instrumente nicht können?  Boksgorn: Es sind diese Klänge, mit denen man eins sein kann. Man verschmilzt mit der Musik. Es gibt keine Distanz.

Sie unterrichten ja auch. Wie übersteht man die erste Zeit mit der Geige - wenn alles noch flach und schief klingt? Boksgorn: Da gibt es nichts zu überstehen. Wenn ein Kind bei mir anfängt, dann liegt für mich der Reiz darin, seine Möglichkeiten zu sehen. Ich überlege: Wie bringe ich dem Kind bei, es besser zu machen?

Und wie schaffen Sie das dann?

Boksgorn: Ich muss eine gute Mischung finden. Das Kind motivieren und nicht frustrieren. Mein Ziel ist es immer, dass meine Schüler glücklich aus dem Unterricht kommen und anfangen zu üben (lacht).

Gehört eine gewisse Strenge dazu, Disziplin?

Boksgorn: Ich finde schon. Aber nicht nur. Ich bin ja mit der russischen Schule groß geworden, mit einer sehr strengen Lehrerin. Später in Deutschland war es anders. Ich habe alle möglichen Methoden kennen gelernt. Und nun versuche ich, einen Mittelweg zu finden. Disziplin und Spaß.

Wie motiviert man die Kinder zum Üben?

Boksgorn: Das ist bei jedem Kind verschieden. Ich muss es begeistern für die Stücke. Wichtig ist auch, dass die Kinder Anreize bekommen. Vorspiele, Konzerte gehören unbedingt dazu, auch Wettbewerbe. Die Kinder müssen immer ein Ziel haben.

Auch um zu lernen, mit solchen Situationen umzugehen?  Boksgorn: Sich der Sache stellen, mit Druck umgehen, das ist wichtig, ja. Wichtig ist auch, andere spielen zu hören. Ich möchte, dass meine Schüler weiterkommen.

Geben wir uns hier in Deutschland zu schnell zufrieden, was die musikalische Ausbildung unserer Kinder angeht?  Boksgorn: Manchmal kommt mir das so vor, ja. Es gibt so viele musikalische Kinder, nicht nur in den großen Städten, sondern auch hier bei uns. Sie sollten nicht auf einem mittleren Niveau stehen bleiben, sondern weiter gefördert werden. Ich finde auch, dass die Kinder viel mehr über Musiktheorie und Musikgeschichte lernen müssten. Viele Schüler kommen zwar mit einem Instrument klar, wissen aber gar nicht, was sie da tun.

Sie leben von der Musik. Ist das sehr anstrengend?  Boksgorn: Es ist schon nicht einfach, gerade wenn man eben nicht in einer Metropole wohnt. Ich muss sehr flexibel sein, bin ständig unterwegs. Aber ich mache das gerne. Der Beruf, den ich habe, ist der beste Beruf, den es gibt. (yve)

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