Festspielkonzert mit der Geigerin Laura Zarina und der Pianistin Lilit Gregoryan

Geige und Klavier verschmelzen

Laura Zarina (links) und Lilit Grigoryan faszinierten mit ihren Interpretationen von Mozart, Beethoven und Schubert die Zuhörer im Bachhaus. Foto:  v.Trott

Bad Hersfeld. Aus wenig wird viel. Konzertbesucher der beiden Wochenend-Kammermusiken im Bad Hersfelder Johann-Sebastian-Bach-Haus werden gemerkt haben, wie viel die großen Komponisten aus den Grundlageninstrumenten Violine und Klavier herausholten.

Beeindruckend präsent

Nicht nur sie, sondern aktuell auch ihre Interpreten. Laura Zarina, die inzwischen diplomierte lettische Geigerin, in Bad Hersfeld schon beeindruckend präsent mit Konzert- und Solorepertoire, hatte diesmal die armenische Pianistin Lilit Grigoryan an ihrer Seite.

Beide Mittzwanzigerinnen befinden sich im Graduiertenstudium, Zarina weiterhin bei Ulf Wallin in Berlin, Grigoryan bei Matthias Kirschnereit in Rostock.

Sparsam, aber ertragreich

Aus wenig wird viel. Daran hielten sich auch Mozart, Beethoven und Schubert, also unsere liebsten Wiener Klassiker. Mozart gibt in der zweisätzigen e-Moll-Sonate KV 304 die Richtung vor: sparsam in den Noten, ertragreich in der Musik und ihrer Wirkung. Brot, hier nicht genossen als Körpernahrung, sondern als geistige und seelische, doch ebenso lebensnotwendige. Etwa das traurige Menuett in Moll mit seinem Trioteil in Dur, trotzdem leicht verhangen. Von den beiden Musikerinnen ohne jeden Aufwand vorgetragen und deshalb so still anrührend.

In Franz Schubert singt es unentwegt, auch bei Geige und Klavier. Auch bei Laura Zarina und Lilit Grigoryan, die in Introduktion und sieben Variationen über das Lied „Trockene Blumen“ D 802 (aus dem Zyklus „Die schöne Müllerin“), einem Originalwerk für Flöte und Klavier, ihre Instrumente sich aussingen lassen. Nicht hemmungslos, sondern überaus beherrscht. Zur Beherrschung gehörte eine poetische Verdichtung von Variation zu Variation.

Krönung am Samstag

Schließlich Beethovens Kreutzer-Sonate A-Dur op. 47, die Krönung des Samstagauftritts. Laure Zarina mit gereiftem, stets geschmeidigen Geigenton und vielen Abtönungen, mit dem Risiko des vehementen Bogenstrichs und dem Ertasten des zartesten Liniengeflechts, Lilit Grigoryan mit wacher Intelligenz und lockerer Artikulation, speziell im Variations-Andante und Presto-Finale mit der Fähigkeit der Verschmelzung des Klaviertons mit dem der Violine. Und beide von einem musikalischen Wärmestrom durchzogen, der wohl jeden der 70 bis 80 Zuhörer erfasste und erfüllte.

Von Siegfried Weyh

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