Bad Hersfelder Festspiele 2011: Heute hat „Das Dschungelbuch“ Premiere

Geier Sturzflug

Beim Finale haben sich im Dschungel alle wieder lieb und singen gemeinsam den schwungvollen „Honigbären-Blues“. Das freut den gutgelaunten Bären Baloo (Ulrich Wewelsiep, rechts) ganz besonders, doch auch Bagheera (Maaike Schuurmans, daneben) wird ausnahmsweise mal locker. An Bagheeras Hand die Hauptperson der Geschgichte, der Menschenjunge Mogli (Lena Vogt). Alle Fotos: Ludger Konopka 

Bad Hersfeld. Bisher spielte das sogenannte Kinderstück bei den Bad Hersfelder Festspielen eine Nebenrolle. Seit der Premiere mit dem „Räuber Hotzenplotz“ 1996 lag den jeweiligen Intendanten das ganz junge Festspielpublikum mal mehr und mal weniger am Herzen, entsprechend schwankend war die Qualität.

Auch Holk Freytag hat im vergangenen, seinem ersten Hersfeld-Jahr, mit der einkauften und zwiespältig aufgenommenen „Brüder Löwenherz“-Produktion die Erkenntnis gewonnen, dass das Kinderstück ab sofort Chefsache ist.

Deswegen ist in diesem Jahr alles ganz anders: Aufgewertet zum „Familienstück“ wartet „Das Dschungelbuch“ nicht nur mit einer erstklassigen Besetzung auf, sondern bekommt mit der Premiere am Eröffnungstag auch einen ganz neuen Stellenwert.

Noch dazu ist die Hersfelder Fassung des Kipling-Stoffes ein höchst ehrgeiziges Unterfangen. Denn wer hat nicht die Geschichte und die Figuren der Disney-Verfilmung vor Augen, wenn er an Mogli, Baloo und Shir Khan denkt?

Ihre Namen werden auch auf der Bühne der Stiftsruine zu hören sein, doch mit putzigem Zeichentrick haben sie nichts mehr zu tun: Bagheera als gelackte Gouvernante, Baloo mit umgeschnallter Kuscheldecke, der graue Vater Wolf mit Aktentasche und Shir Khan als tumber Boxer sind nur einige der neuen Charaktere, die Regisseur Janusz Kica mit Hilfe der Kostüme von Valentina Crnkovic geschaffen hat. Nur Mogli im Khaki-Dress kommt als Normalo daher.

Gerold Theobalt hat der bekannten Story zeitgemäße, moderne Akzente verpasst, ohne ihren Kern zu verfälschen: Es geht um die Entwicklung eines Menschen, um Verantwortung und um den Umgang mit der Macht.

Natürlich kommt auch in der Stiftsruine der Spaß nicht zu kurz. Dafür sorgen schon die flotte Musik von Wolfgang Schmidtke und trockene Scherze wie Bagheeras Kommentar über den hypnotisierten Chil: „Geier Sturzflug“.

Für die heutige Premiere gibt es noch Restkarten an der Abendkasse.

Von Karl Schönholtz

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