„Es geht nicht um Geldnöte“

Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters, bezieht im Festspiel-Streit Stellung

Leitet seit 2009 das Deutsche Theater Berlin: Ulrich Khuon. Archivfoto: dpa

Berlin / Bad Hersfeld. Ein weiterer Theatermacher hat sich im Streit um die Entlassung des Bad Hersfelder Festspielintendanten Holk Freytag zu Wort gemeldet. Ulrich Khuon, Intendant des renommierten Deutschen Theaters Berlin, hat auf dem Internet-Theaterportal www.nachtkritik.de einen Kommentar abgegeben, in dem er den Hersfelder Magistrat scharf kritisiert.

Wie schon der ehemalige Intendant des Schauspielhauses Bochum, Frank-Patrick Steckel, interpretiert auch Khuon die Entlassung von Holk Freytag als den Versuch der Verwaltung, größeren Einfluss auf die Festspiele zu erhalten. Wir dokumentieren Khuons Kommentar im Wortlaut:

„Das schon zu Beginn dieses Jahres verfertigte Festspielkonzept des Bad Hersfelder Magistrats bestätigt eines: bei der fristlosen Kündigung von Holk Freytag geht es nicht in erster Linie um Geldnöte, sondern um direkte Einflussnahme der Politik, um geforderte Willfährigkeit des Intendanten und um uferlose Wunschvorstellungen der politisch Verantwortlichen bei gleichzeitiger Reduzierung des Festspieletats. Die gewünschte Engführung und Gängelung des Intendanten ist nicht nur künstlerisch verantwortungslos, sondern auch praxisfern.

Dass die Stadt Bad Hersfeld, die zum 5,1 Millionen Euro Etat der Festspiele nur 1,1 Millionen beisteuert, diesen Betrag um 400 000 Euro senken will und gleichzeitig die absolute Kontrolle herbei sehnt – was sagt das Land Hessen dazu? – ist ein weiteres höchst irritierendes Signal. Dass Bad Hersfeld offensichtlich dennoch über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, den gekündigten Intendanten auszubezahlen und neue kostspielige Planungen für die kommende Spielzeit zu veranlassen, komplettiert das groteske Szenario.

In einem ähneln sich die Situationen an mehreren gefährdeten Theaterstandorten: das Argument Finanzknappheit wird vorgeschoben, während es eigentlich um die Verschiebung kultureller Schwerpunkte geht (Sachsen-Anhalt), um mangelnde Kommunikation zwischen Ländern und Gemeinden (Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen-Anhalt), um selbstherrliche Bürgermeister und um die Disziplinierung von Theaterleitern.

Dabei gibt es nach wie vor genügend Handlungsspielraum. Die Zerstörung von Theatern ist nicht die naturgesetzhafte Konsequenz der Schuldenbremse. In vielen Städten wurden und werden Theater in enger Zusammenarbeit von Politik und Theatermachern renoviert und neu gebaut (Ingolstadt, Heidelberg, Freiburg, Potsdam, Köln, Schwerin, Berlin, Nürnberg, Stuttgart), und das Theater wird da, wo die Partner dialogfähig sind, neu erfunden und positioniert. (red/mcj)

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