Festspielporträt: Marianne Larsen verabschiedet sich nach Anatevka von der Bühne

Ihr geht es einfach gut

Wettermäßig sei die Premiere von Anatevka zwar eine Grenzerfahrung gewesen, aber Marianne Larsen freut sich, bei den Bad Hersfelder Festspielen dabei sein zu können – egal bei welchem Wetter. Foto: Hanisch

Bad Hersfeld. Knapp drei Stunden Autofahrt liegen hinter Marianne Larsen, aber Anzeichen von Müdigkeit oder Erschöpfung? – Fehlanzeige!

Die Sängerin und Schauspielerin steht zurzeit nämlich nicht nur als Golde in Anatevka auf der Bad Hersfelder Festspielbühne, sondern auch im Theater in Heilbronn. Stressig sei diese Hin- und Herfahrerei schon, gesteht sie und gönnt sich erst einmal eine Tasse Milchkaffee. Dass aber der Spaß an ihrer Arbeit überwiegt, ist nicht zu übersehen. „Mir geht’s einfach gut“, strahlt sie über das ganze Gesicht.

Marianne Larsen stammt gebürtig aus Dänemark und wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf. Obwohl sie im Jugendalter oft mit eigenen Liedern und Gitarre aufgetreten ist, hat sie nie ernstlich in Erwägung gezogen, diesen Weg einmal hauptberuflich einzuschlagen. „Das Wort ,Kultur‘ im heutigen Sinne gab es bei uns damals gar nicht“, sagt die Künstlerin über ihr Heimatland.

Daraus resultiert wohl auch die Tatsache, dass Larsens eigentlicher Plan war, Geologie zu studieren. Dass sie sich letztlich doch für „die Kultur“ entschied, ist ihrem damaligen Musiklehrer zu verdanken, der sie bei der Abitur-Abschlussfeier hat singen hören. „Er meinte, ich müsse unbedingt Musik studieren“, erinnert sie sich.

Von der Oper zum Musical

Schließlich bewarb sich Larsen am Kopenhagener Musikkonservatorium und wurde angenommen. Von da an nahm die Karriere ihren Lauf. Ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können, ging sie nach Freiburg im Breisgau an die Musikhochschule und im Alter von 20 Jahren bekam sie bereits ihr erstes Engagement am Kasseler Staatstheater.

Hatte sie vorher nur Opern und Operetten gesungen, entdeckte sie nun das Musical und darüber auch das Schauspiel für sich. „Ich fand die Musik schon immer supergeil, aber auf die Dauer auch langweilig. Man muss immer den alten Vorbildern nacheifern, bei der Schauspielerei ist das anders – da kann man auch selbst schöpferisch tätig sein“, erklärt Larsen.

1991 wechselte sie ans Staatstheater am Gärtnerplatz in München, wo sie auch heute noch lebt. Vor vier Jahren hat sie sich schließlich ganz und gar dem Musical verschrieben. „Oper und Musical – das verträgt sich auf die Dauer nicht“, meint sie.

Hat Marianne Larsen eigentlich auch Familie? „Ich habe ein männliches Wesen an meiner Seite und meine Bulldogge Emma“, grinst sie und präsentiert sogleich ein Foto von ihrem Liebling. Neben ihrer Tierliebe beschäftigt sich die Musicaldiva in ihrer Freizeit mit ganz alltäglichen Dingen, manchmal seien es zum Beispiel der Garten und die Rosenpflege, ein andermal die Bücher – wozu sie eben gerade Lust hat.

Zum Abschluss hält Larsen auch noch eine Überraschung bereit: Anatevka ist ihre letzte Produktion. Fortan wird sie die Leitung des Studiengangs Musical an der Theaterakademie August Everding in München übernehmen, an der sie schon seit 18 Jahren Dozentin ist. „Zuerst habe ich Nein gesagt, mir geht’s doch gerade so gut“, verrät sie.

Auch wenn ihr natürlich der Spaß mit den Kollegen auf der Bühne und das Publikum fehlen werden, sei es doch ein großer Luxus, freiwillig entscheiden zu können, wann man geht, und nicht, weil die Stimme verbraucht sei. „Und wenn man nicht auch mal etwas loslässt, bekommt man auch nichts“, ist sich Marianne Larsen sicher und genießt ihren letzten Schluck Milchkaffee.

Von Christin Hanisch

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