Nachbarn der geplanten Wohnblocks in der Stresemannallee kündigen Widerstand an

Es geht um die Dimension

Werden die beiden Wohnblocks wie geplant gebaut, dann würden hinter Imke Leipold (links) und Natascha Thinius (rechts) Hauswände aufragen und den Blick komplett verstellen. Zur Orientierung: Zwischen dem Backsteingebäude links und dem blau gestrichenen Haus ist im Hintergrund der Stadtring mit dem Teilstück der Gerwigstraße zu sehen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. „Es geht nicht um eine Bebauung an sich, sondern um die Dimension,“ sagt Natascha Thinius, Architektin aus Bad Hersfeld und eine von einem guten Dutzend Bürgerinnen und Bürgern, die jetzt ihren Widerstand gegen die beiden geplanten Wohnblocks in der Stresemannallee angekündigt haben.

Die Bedenken von Nachbarn und anderen Anwohnern aus dem Viertel am Fuße des Tagebergs gründen sich nicht nur auf eigene Interessen wie künftig verbaute Ausblicke, sondern vor allem auf die Sorge ums Stadtbild. Denn weite Teile des Bereichs zwischen Stift und Kurpark stehen unter Denkmalschutz, entweder als Einzelobjekte oder als Ensembles.

In dem Bauvorhaben des Alheimer Architekten Heinz-Wilfried Jähnert, der auf dem zum Teil brach liegenden Areal zwischen Gerwig-, Sternerstraße und Stresemannallee insgesamt 20 Wohneinheiten und eine Parkgarage errichten möchte, sehen die Widerständler einen viel zu großen Riegel, der den Blick in beide Richtungen komplett verstellt. Tatsächlich würden die Dachfirste der in den Hang hinein geplanten Blocks die Kronen der (noch) hier stehenden Bäume erreichen.

Dass sie und ihre Mitstreiter nicht prinzipiell gegen eine Bebauung des Grundstücks sind, macht Thinius auch durch einen eigenen Entwurf für drei kleinere Wohnhäuser deutlich.

Bedauerlich findet Natascha Thinius allerdings, dass der Denkmalbeirat der Stadt in dieser Angelegenheit bislang nicht gehört wurde. Das soll in der kommenden Woche nachgeholt werden.

Das Bauleitverfahren hat die Stadtverordentenversammlung jedoch schon in Gang gesetzt. Weder hier noch in den Sitzungen des Ausschusses für Stadtplanung und Umwelt gab es größere Diskussionen über das Projekt.

Als fragwürdig sehen Thinius & Co. auch die Zufahrt über die Stresemannallee an, wo ein enger Weg zwischen der Bebauung in der ersten Reihe auf das versteckt liegende Zwischen-Grundstück führt. „Das ist wie ein Nadelöhr,“ sagt Natascha Thinius und rechnet vor, dass hier täglich etwa 40 Pkw ein- und ausfahren würden.

Die Bedenken der Anwohner sind auch im städtischen Bauamt bekannt. Schriftlich liege jedoch noch nichts vor, teilte Johannes van Horrick, Fachbereichsleiter Technische Verwaltung, auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Das Verfahren befinde sich derzeit in der Auslegung. Einwände von Trägern öffentlicher Belange sind bislang nicht vorgebracht worden.

Sollten die Anwohner ihre Einwände noch formell geltend machen, müsse zwischen ihren Interessen und denen des Investors abgewogen werden, sagte van Horrick. Auf jeden Fall, so sein Vorschlag, solle der Bauherr nun eine Visualisierung fertigen, die die beiden Wohnhäuser samt ihrer Umgebung zeigt.

Das haben die Widerständler bereits selbst erledigt. Und ihre Stellungnahme ist in Arbeit. Darin werden Bedenken zum Denkmal- und Naturschutz sowie zur Verkehrsbelastung geltend gemacht. Auch eine Unterschriftenaktion wird vorbereitet. Erklärtes Ziel: „Es geht darum, das Ding zu Fall zu bringen.“

Von Karl Schönholtz

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