Montagsinterview: Friedhelm Eyert organisiert in Bebra die Bürgermeister-, Landtags- und Bundestagswahlen

Gehirn einschalten, auch mit Parteibuch

Wer die Wahl hat: Friedhelm Eyert fungiert in Bebra als Wahlleiter für die Bürgermeisterwahlen und organisiert außerdem die Bundes- und Landtagswahl. Foto: nh

Bebra. Die Bundes- und Landtagswahlen am 22. September wollen gut organisiert sein. In Bebra steht sogar am 8. September noch eine Bürgermeisterwahl an. Darüber sprachen wir mit Friedhelm Eyert, der als Leiter des Ordnungsamtes auch die Wahlen organisiert.

Herr Eyert, die Bürgermeisterwahl in Bebra am 8. September und dann zwei Wochen später die Landtags- und Bundestagswahl sowie die Stichwahl, die bei vier Kandidaten nicht unwahrscheinlich ist. Welcher der drei Urnengänge macht die meiste Arbeit?

Friedhelm Eyert: Es gibt einen Bundes-, Landes- und Kreiswahlleiter. Von da kommen schon zahlreiche Vorgaben, so dass wir von der Wahlvorbereitung her eher ausführendes Organ sind. Als Wahlleiter bin ich eigentlich nur für die Bürgermeisterwahl voll verantwortlich. Am Wahltag selbst ist die Arbeit bei allen drei Wahlen im Prinzip gleich.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen Ihres Amtes?

Eyert: Strikte Neutralität ist oberstes Gebot. Ich kenne alle drei Kandidaten sowie die Kandidatin und bin mit allen per du. Alle vier sind wirklich super-nette Menschen. Es kann aber nur einen Sieger oder eine Siegerin geben. Von daher gibt es nur den einen, geraden Weg. Schlenker und Schikanen sind verpönt. Auch nach der Wahl muss man schließlich noch zusammenarbeiten können, egal in welcher Position.

Wie viele Leute arbeiten in Bebra an den Wahlen?

Eyert: Ich bin absoluter Teamplayer. Meine gesamte Abteilung, das Ordnungsamt ist eingespannt. Ohne meine Leute wäre ich nichts. Das sind acht erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die so schnell nichts erschüttert. Auf meine Truppe kann ich mich verlassen. Nur so geht’s.

Fällt es Ihnen schwer, Wahlhelfer zu finden?

Eyert: Es fällt auf, dass gerade am 22. September viele Wahlhelfer, die nicht auf die Ferien angewiesen sind, Urlaub machen. Wir sollen und wollen ja auch gerne Jungwähler in den Wahllokalen einsetzen. Unsere Erfahrungen sind da allerdings ernüchternd, um es vorsichtig auszudrücken. Immerhin brauchen wir an beiden Tagen 175 Ehrenamtliche. Leicht ist das nicht! Es gibt aber schon so etwas wie richtiges Stammpersonal in den Wahllokalen. Das sind erfahrene Wahlhelfer, für die das eine Ehrensache ist.

Im Kreis gibt es einen sehr kleinen Ortsteil, wo sogar im Wohnzimmer eines Privathauses gewählt wird. Gibt es eigentlich besondere Anforderungen an Wahllokale?

Eyert: Sie sollen möglichst barrierefrei sein. Das ist aber auf dem Lande kaum möglich. Da gibt es ja dann auch noch die Briefwahl. Darüber hinaus sollten sie recht zentral gelegen und gut erreichbar sein. Die Leute haben sich an ihre Wahllokale gewöhnt. Im Wohnzimmer muss in Bebra aber niemand sein Kreuzchen machen.

Viele Politiker finden es gar nicht gut, dass die Landtags- und Bundestagswahlen zusammen stattfinden, weil sie befürchten, dass die landespolitischen Themen zu kurz kommen. Wie denken Sie darüber?

Eyert: Bei uns kommt am 22. vielleicht noch die Stichwahl dazu. Wenigstens findet die eigentliche Bürgermeisterwahl ohne Bündelung mit anderen Wahlen am 8. September statt. Rein wahlphilosophisch wäre ich schon für Einzelwahlen. Wenn ich aber daran denke, dass unsere ehrenamtlichen Wahlhelfer dann noch öfter sonntags in den Wahllokalen sitzen müssten, weicht das hehre Ideal dem schnöden Pragmatismus.

Ich kenne Sie als politisch-interessierten und engagierten Mann. Wie schwer fällt es Ihnen, die vorgeschriebene Neutralität des Amtes zu wahren?

Eyert: Das ist überhaupt kein Problem. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. In Bebra arbeite ich seit fast 18 Jahren als SPD-Mitglied mit einem CDU-Bürgermeister zusammen. Fragen sie den mal, ob er sich deswegen schon einmal beschwert hat. Im übrigen sollte ein Parteibuch, gleich welche Farbe es hat, nun wirklich kein Grund sein, das Gehirn abzuschalten. Und wenn es überhaupt noch einen Grund für die Existenzberechtigung des Berufsbeamtentums geben sollte, dann ist es die Pflicht zur unparteilichen Ausübung des Amtes. Das muss ja nicht zum geistigen Eunuchentum führen!

Ihre private Leidenschaft ist die Sportfotografie - auch für unsere Zeitung. Müssen wir in den nächsten Wochen unsere Bilder selber machen, oder bleibt dafür am Wochenende noch Zeit?

Eyert: Auch hier gilt wieder: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! Am 8. und am 22. September bin ich im Bebraer Rathaus im Dienst. Da bleibt die Kamera aus!

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