Arnulf Rating spottete im Bad Hersfelder Buchcafé über Merkel und andere Politiker

Das Geheimnis der Raute

Der Kabarettist Arnulf Rating schlüpft gerne in verschiedene Rollen: Oben links ist er als geldgieriger Investor Fred Ferkelmann zu sehen, unten links als schrulliger Dr. Mabuse und rechts als energische Schwester Hedwig. Außerdem zitiert er gerne Zeitungs-Schlagzeilen. Dabei blieb auch die Hersfelder Zeitung nicht verschont (rechts oben). Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Arnulf Rating ist ein gerne gesehener Gast im Bad Hersfelder Buchcafé. Und so war er es auch, der als erster Kabarettist in den neuen Räumen am Brink auftreten durfte.

Zum Dank nahm er die Bad Hersfelder gleich kräftig auf den Arm. Er empfahl ihnen am Beispiel des neuen Buchcafés doch endlich auch die Sanierung der Stiftsruine in Angriff zu nehmen und spottete freundlich über die Hersfelder Zeitung und ihre Titelthemen Bauern und Bier.

Überhaupt ist Rating bekennender Zeitungsleser und findet in den Schlagzeilen jede Menge Kurioses. Spitzenreiter ist dabei natürlich die Zeitung mit den großen Buchstaben, aus der die Leser so spannende Geschichten erfahren wie „Oma Hilde (80) arbeitet als Hure“ oder „Rentner muss als Osterhase arbeiten“.

Ansonsten gibt es kaum ein aktuelles Thema, zu dem Rating nicht eine klare Meinung hat. Er lästert über Banken und Finanzpolitik („Überziehungszinsen heißen so, weil sie gnadenlos überzogen sind“, über die „schwarze Null“ in der Bundesregierung – Finanzminister Wolfgang Schäuble, über Verteidigungsministerin Uschi von der Leyen und das desolate Material der Truppe („Die Bundeswehr kriegt keinen mehr hoch“) und dichtet kurzerhand den Amtseid, den die Minister leisen müssen um: „Ich schwöre, am deutschen Volk zu verdienen, so wahr mir Geld helfe.“

Den vor allem in Sachsen starken Pegida-Umtrieben und der Fremdenangst hält er entgegen, dass man sich im Osten freuen solle, wenn dort überhaupt jemand hinwolle und stellt fest: „Wir haben die Sachsen vor 25 Jahren ja auch aufgenommen und ihnen sogar noch ‘nen Hunni gegeben.“

Ein ganzes Volk im Koma

Natürlich kommt der Berliner Flughafen vor und die Steuerhinterziehung von Bayern-Manager Uli Hoeneß. Ganz besonders hat es ihm jedoch die typische Handbewegung der Kanzlerin angetan, die legendäre Merkel-Raute. Darin seien, nicht nur Heerscharen von Unionspolitikern verschwunden, sondern die komplette FDP. Rating weiß auch, wann Merkel die Macht ihrer Raute entdeckt hat. Das sei ein magischer Moment während der Bayreuther Festspiele gewesen, als sie feststellte, dass sie damit ein ganzes Volk ins Koma versetzen kann.

Rating ist nicht allein gekommen. Er wird begleitet von Dr. Mabuse, Schwester Hildegard und Fred Ferkelmann, in deren Rollen er jeweils mit Kittel, Jackett, Brille oder Perücke schlüpft. Dann geht es um die Zukunft des Gesundheitswesens, die in der Telemedizin liegt, um Hüftgelenke aus dem Katalog, um Organspende, um zwanghafte Arbeiter und die Mentalität der Deutschen, die immer bis zum Schluss mitmachen.

Bei Arnulf Rating sind sie jedenfalls bis zum Schluss geblieben und erklatschten sich begeistert eine Zugabe.

Von Christine Zacharias

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