Amtsgericht Bad Hersfeld verurteilt Gerstunger zu neun Monaten auf Bewährung

Im Gegenverkehr überholt

Bad Hersfeld. Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung ist ein 26-jähriger Mann aus Gerstungen gestern vom Amtsgericht Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt worden, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Daneben verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 500 Euro, die an das Tierheim in Bad Hersfeld zu entrichten ist. Der Führerschein des Angeklagten wird für zwei Jahre eingezogen.

Unverantwortliches Manöver

„Sie haben mit ihrem grotesken Fahrmanöver das Leben von fünf Menschen leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, führte Richterin Silvia Reidt in ihrer Urteilsbegründung aus. Der Angeklagte hatte am 4. Januar auf der Landesstraße 3251 aus Richtung Hönebach kommend ein vor ihm fahrendes Fahrzeug überholt, ohne den Gegenverkehr einsehen zu können. Er stieß frontal mit dem entgegenkommenden Wagen einer 25-jährigen Frau aus Unterhaun zusammen, die in der Folge schwere Verletzungen erlitt. An ihrem Wagen entstand ein Sachschaden von 15 000 Euro. Auch die im Fahrzeug des Angeklagten mitfahrende Ehefrau und die gemeinsamen ein und drei Jahre alten Kinder trugen erhebliche Verletzungen davon.

„Die Unfallstelle war denkbar ungeeignet für ein Überholmanöver. Die Fahrzeuge befanden sich zum Unfallzeitpunkt vor einer Kuppe, die noch dazu in eine Rechtskurve mündet. Der Angeklagte hatte überhaupt keine Chance, die Verkehrssituation richtig einschätzen zu können“, führte Diplom-Ingenieur Michael Katzer, vereidigter Sachverständiger für Straßenverkehrsunfälle, während des Prozesses aus. Die Fahrerin des entgegenkommenden Wagens habe den Crash einzig und allein durch den Versuch eines Ausweichmanövers und die hervorragenden Sicherheitsstandards ihres Fahrzeugs überlebt.

Keine Erinnerungen

Der 26-jährige Gerstunger selbst gibt an, keine Erinnerungen mehr an das Unfallgeschehen zu haben. Er wisse lediglich noch, dass er zuvor seinen Hund ins Tierheim Bad Hersfeld gebracht habe und daher emotional aufgebracht gewesen sei. Beim Unfall erlitt er eine Beckenring-Fraktur und Hirnblutungen. Der einschlägig vorbestrafte Kraftfahrer, der zum Unfallzeitpunkt noch wegen eines anderen Vergehens unter Bewährung stand, ist seitdem arbeitsunfähig. Er entschuldigte sich noch während des Prozesses unter Tränen bei allen von ihm Geschädigten.

Pflichtverteidiger Kurt Oberlies beantragte, aufgrund der schweren Verletzungen des Angeklagten, seiner Reue sowie der günstigen Sozialprognose auf eine Strafe zu verzichten. Richterin Silvia Reidt folgte in ihrem Urteil aber dem Plädoyer der Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Sarah Seegebarth. Die unentschuldbare Rücksichtslosigkeit des Angeklagten ließe keine mildere Strafe zu.

Von Emily Spanel

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