Blinden- und Sehbehindertenbund: Informations- und Gesprächskreis in Bad Hersfeld

Gegenseitig Mut machen

Kümmern sich um die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen in Osthessen: Gerhard Junker, Margit Höltke, Elsbeth Kurth, Günther Stumpf und Werner Auth (von links). Dem Leitungsteam gehören auch noch Marina Flach und Eva Lomb an. Foto: Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. An den Moment, als sie sich nicht mehr im Spiegel sehen konnte, erinnert sich Irene Kersting noch sehr genau. Obwohl sie da schon lange mit Sehproblemen und einer zunehmenden Einschränkung ihres Gesichtsfeldes lebte, war das sehr erschreckend für sie. Ihre Gedanken dazu hat sie in einem Gedicht verarbeitet.

Noch schlimmer empfinden sie und viele andere Betroffene, die erst später im Leben erblindet sind, dass sie den Menschen, mit denen sie sprechen, nicht mehr in die Augen blicken können. „Wenn der Blickkontakt fehlt, fehlt sehr, sehr viel“, sagt Werner Auth aus Fulda. „Wir können nicht mehr flirten“, bedauert er.

Sich gegenseitig unterstützen

Probleme wie diese sind immer wieder Thema bei den Treffen des Informations- und Gesprächskreises des Blindenbundes Osthessen in Bad Hersfeld. An jedem letzten Donnerstag im Monat kommen blinde Menschen und einige sehende Helfer dort zusammen, um sich auszutauschen, über Probleme zu sprechen, sich gegenseitig Mut zu machen und Informationen weiterzugeben. Regelmäßiger Gast ist auch Pfarrer Philipp von Stockhausen, der Blindenseelsorger des Sprengels. Früher fanden diese Treffen nur in Fulda und ganz selten in Bad Hersfeld statt. Das sei jedoch für viele Waldhessen schwierig gewesen, unter anderem wegen der Fahrt nach Fulda, sagt Margit Höltke, die seit einigen Monaten den Blindenbund Osthessen leitet. Außerdem sei die Gruppe in Fulda so groß gewesen, dass man sich nur schwer persönlich unterhalten konnte.

Seit zwei Jahren nun treffen sich die Blinden und Sehbehinderten immer am letzten Donnerstag im Monat (nicht aber am heutigen Feiertag) im Mehrgenerationenhaus Dippelmühle in Bad Hersfeld und fühlen sich hier sehr gut aufgehoben.

Die Treffen in der Gruppe werden von den Mitgliedern als wohltuend empfunden. „Unter Sehenden fühlt man sich oft klein und nicht vollwertig“, sagt Margit Höltke aus Bad Hersfeld. Das liegt oft an Kleinigkeiten: Wer seine Gesprächspartner nicht sehen kann, weiß auch nicht, ob er ihre Aufmerksamkeit noch hat. Ein zustimmendes Nicken oder ein freundliches Lächeln kommen nicht an. Blinde wissen das und zeigen durch Laute oder andere hörbare Reaktionen, dass sie noch bei der Sache sind.

Für Blinde und Sehbehinderte, vor allem wenn sie erst kürzlich ihr Sehvermögen verloren haben, ist es oft schwierig, mit Außenstehenden über ihre Probleme zu sprechen. Das kann Jahre dauern, berichten viele der Gruppenmitglieder. Missverständnisse zwischen Blinden und Sehenden sind oft die Folge.

Ganz unterschiedlich sind auch die Erfahrungen, die die Frauen und Männern mit dem weißen Stock oder Armbinden beziehungsweise Ansteckern mit den drei Punkten gemacht haben, die auf ihre Blindheit hinweisen. Einige haben dadurch viel Hilfsbereitschaft erfahren, andere wurden deswegen verspottet. „Ich habe erst mal einen Schirm statt des Stocks genommen“, erzählt Margit Höltke. „Das ging mir auch so“, bestätigen mehrere Mitglieder der Gruppe.

Von Christine Zacharias

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