In der Bad Hersfelder Stadtpolitik deutet sich ein Konflikt um die geplante City-Plaza an

Gegensätzliche Gutachten

Kritisch oder nicht: Bei der geplanten „City-Plaza“ im Rechberggelände deutet sich ein Konflikt an. Foto: Schönholtz/Archiv

Bad Hersfeld. Konkret ging es im Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung nur um die Änderung des Flächennutzungsplanes. Damit auf dem Areal von Post und Raumgalerie im Rechberggelände ein neues Einkaufszentrum mit einem Edeka-Markt entstehen kann, muss das bisherige Mischgebiet künftig als „Sondergebiet mit vorwiegender Verkaufsfläche im Lebensmittelbereich“ ausgewiesen werden.

In der vermeintlichen Formsache deutete sich jedoch ein Konflikt um das Vorhaben an, das bislang den Arbeitstitel „City-Plaza“ trägt. Denn über die Auswirkungen eines um 1500 auf 4500 Quadratmeter vergrößerten Lebensmittelmarktes auf die Geschäfte in der Innenstadt gibt es zwei gegensätzliche Gutachten.

Die von der Stadt beauftragte Gesellschaft für Marketing und Absatz (GMA) sieht das Vorhaben unkritisch: die Umverteilungsgröße liege unter der relevanten Marke von zehn Prozent – selbst wenn im derzeit leerstehenden Herkules-Gebäude an der Bismarckstraße wieder ein Markt einziehen sollte.

Zu einer anderen Einschätzung kommt ein Gutachten, das von den Eigentümern einer Innenstadt-Immobilie initiiert wurde, in der sich bereits ein Lebensmittelmarkt befindet. Das Vorhaben der „City-Plaza“ habe demnach „aufgrund seiner Sortimentsstruktur gravierende Auswirkungen auf die Attraktivität der Innenstadt“, heißt es in der Untersuchung, die unserer Zeitung vorliegt. Gerade der momentan einzige Lebensmittelmarkt in der Einkaufsinnenstadt (tegut an der City Galerie) wäre erheblich gefährdet. „Insofern sind für den Einzelhandel in Bad Hersfeld städtebauliche Verwerfungen zu erwarten“, lautet das Fazit des Gutachtens.

Ausschussvorsitzender Roland Luley (SPD) versuchte zu beschwichtigen: Über die Größe des Edeka-Marktes und andere Details werde erst bei der Aufstellung des Bebauungsplanes entschieden. Die Änderung des Flächennutzungsplanes sei aber unabhängig davon erforderlich.

Und Johannes van Horrick, der das GMA-Gutachten als sachlicher bezeichnete, resümierte: „Wir sind gut versorgt mit Lebensmitteln. Wir sind aber auch nicht dafür da, Wettbewerb zu verhindern.“

Die „City-Plaza“ soll auf den Grundstücken von Post und Raumgalerie entstehen. Auslöser war die vorgesehene Erweiterung des Obi-Marktes im Rechberg-Center mit dem dadurch erforderlichen Umzug des Edeka-Marktes

Ein zweiter Knackpunkt für das Projekt könnte im Übrigen auch die Verkehrsanbindung und -führung sein. Hier laufen derzeit Untersuchungen.

Der Ausschuss empfahl die Vorlage mit Mehrheit bei zwei Nein-Stimmen.

Von Karl Schönholtz

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