HZ-Montagsinterview zum Konzept der Festspiel-Vermarktung mit Elmar Maria Henrich

Gegen den Trend

Er entwickelt mit seinen Mitarbeitern den Werbeauftritt der Festspiele: Designer Elmar Maria Henrich . Foto: Broy

Bad Hersfeld. Fahnen, Prospekte, Plakate und ein neuer Internetauftritt: Für den Außenauftritt der Festspiele ist die Bad Hersfelder Agentur ultraviolett zuständig. Sonja Broy sprach mit Geschäftsführer Elmar Maria Henrich über das Marketing-Konzept.

Herr Henrich, seit sieben Jahren erstellt ihre Werbeagentur den Außenauftritt der Festspiele. Wird dieser Job nicht auf Dauer langweilig?

Elmar Maria Henrich: Auf keinen Fall. Die Festspiele sind für uns nicht nur ein Job, wir machen das unheimlich gerne. Es ist spannend, die bekannte Geschichte in jedem Jahr neu zu erzählen.

Die Ruine, ausgeleuchtet in warmen Farben, bildet diesmal das Hauptmotiv. Auf den übrigen Plakaten sind die Hauptdarsteller mit der Ruine zu sehen - verglichen mit den vergangenen Jahren wirken diese Bilder sehr schlicht und aufgeräumt. Woran liegt das?

Henrich: Das Erscheinungsbild entsteht immer in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Intendanten. Holk Freytag und Maren Dey als Marketingleiterin haben sich Reduktion und eine Besinnung auf das Wesentliche gewünscht. Unsere Idee war es, die Ruine in den Mittelpunkt zu stellen. Gewissermaßen als Hauptdarsteller, als der Star, der immer da ist.

Wie lange dauert es, eine solche Idee druckreif auszuarbeiten?

Henrich: Zwei Jahre stecken hinter dem aktuellen Auftritt, wobei nicht immer permanent daran gearbeitet wird. Nach den Aufführungen im letzten Jahr haben wir mit den Beleuchtern die Lichtsituationen geschaffen, die jetzt zu sehen sind. Die Bilder wurden nicht retuschiert, sondern bewusst genau so fotografiert.

Das heißt sie können schon jetzt einen Ausblick auf die Festspiel-Werbung im kommenden Jahr geben?

Henrich: Ja, schlicht und aufgeräumt wird auch die Spielzeit 2011 beworben. Wenn ein neuer Intendant kommt, plant man mit ihm zusammen für mehrere Jahre vor. Sie müssen sich das vorstellen wie einen genetischen Code, den man als Basis entwickelt. In den Jahren darauf schöpft man aus diesem Grundstock, nimmt die Basiselemente mit und entwickelt die Motive graphisch weiter.

Schlicht und reduziert – was überzeugt Sie so an dieser Leitidee?

Henrich: Die Werbewelt ist momentan sehr unruhig, arbeitet mit vielen Effekten. Fast schon zu vielen. Manchmal fühlt man sich richtig erschlagen davon. Wir dagegen setzten für die Festspiele auf die Kraft der Fläche. Schwarz und Weiß als Grundfarben sind ordnende Elemente. Damit setzten wir einen Akzent gegen diesen Trend zur Unruhe.

Der Vorverkauf läuft schleppend, den Festspielen droht ein Millionen-Defizit. Macht man sich als Marketing-Verantwortlicher Gedanken, ob die eigene Idee doch nicht so überzeugend sein könnte?

Henrich: Ja, natürlich. Aber ich denke nicht, dass die Werbung da der ausschlaggebende Grund ist. Die allgemeine Kaufkraft, das Wetter, die gestiegene Spontanität der Leute, das sind für mich eher die Gründe. Man nutzt nicht den Vorverkauf, sondern entscheidet spontan mal eben 200 Kilometer zu fahren, um heute Abend ins Theater zu gehen. Jeder urteilt nach seinem eigenen Geschmack, auch in der Werbung. Meiner Meinung nach befindet sich die visuelle Komponente immer noch auf der Höhe der Zeit.

Gab es denn negative Reaktionen von Außenstehenden zu den Plakaten?

Henrich: Nein, ganz im Gegenteil. Es gab jede Menge Anfragen nach den Fotos von den Firmen, die im Umfeld und mit den Festspielen werben wollen. Die Bilder der beleuchteten Ruine sind quasi ausverkauft.

Ihre Arbeit an dieser Festspielsaison ist abgeschlossen - wird man Sie in der Stiftsruine denn auch auf den Zuschauerrängen treffen?

Henrich: Selbstverständlich. Besonders freue ich mich auf Tell. Und meine Karten habe ich schon.

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