Symbiose von Kirche und Festspielen am 5. Juli: Feier mit dem Dresdner Kreuzchor in der Stadtkirche und eine nächtliche Reise

Die Gefühle der Nacht erfahren

Werben für die Demokratie-Veranstaltung mit dem Dresdner Kreuzchor in der Stadtkirche und die erste Nachtkirche: Kantor Sebastian Bethge, Pfarrerin Imke Leipold, Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, Intendant Holk Freytag und Pfarrer Holger Grewe (von links). Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Die Nacht vom 5. auf den 6. Juli könnte lang werden. Mit der ersten „Nachtkirche“ und der Feier „Ich singe dich, Demokratie“ in der Stadtkirche werden gleich zwei Veranstaltungen als Symbiose zwischen Kirche und Festspielen angeboten.

Unter dem Titel „Ich singe dich, Demokratie“ findet in der Stadtkirche das zunächst für die Ruine geplante Konzert mit dem Dresdner Kreuzchor statt. Weitere Akteure dieser „Feier der Demokratie“ sind der Schriftsteller Adolf Muschg, der eine 20-minütige Rede zum Thema „Demokratie in Europa“ halten wird, und einige Mitglieder des Festspiel-Ensembles, die sich mit Texten beteiligen werden.

„Es ist eine Katastrophe. Wir haben in Deutschland die bestmögliche Staatsform, aber wir verspielen sie, indem wir nicht zur Wahl gehen“, begründet Festspiel-Intendant Holk Freytag die Veranstaltung. Er hoffe, dass dieser Abend die Besucher zum positiven Nachdenken über die Demokratie anrege. Auch bei der letzten Kommunalwahl in Bad Hersfeld sei die Wahlbeteiligung katastrophal gering gewesen. „Für die Kirche ist die Demokratie natürlich ebenfalls ein bedeutendes Thema“, sagt Pröpstin Sabine Kropf-Brandau. „Wir sind stolz, dass der Kreuzchor als einer der ältesten Knabenchöre bei uns auftritt und wir sind gerne Gastgeber.“

Fünf Stationen bis 5 Uhr

Veranstaltet wird die Feier von der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine und der Evangelischen Stadtkirche Bad Hersfeld mit Unterstützung der Hersfelder Zeitung und von Holk Freytag. Karten gibt es für 25 Euro (ermäßigt 20 Euro) ab dem 3. Juni in der Kartenzentrale am Markt und in der Geschäftsstelle der HZ an der Klausstraße.

Ab Mitternacht findet vom 5. auf den 6. Juli dann bis etwa 5 Uhr die erste „Nachtkirche“ statt, die auf einer Idee von Pfarrerin Imke Leipold und Holk Freytag basiert. „Eine Reise durch die Nacht mit all ihren Facetten und Gefühlen“ kündigen die Organisatoren an. An fünf verschiedenen Stationen – Beginn und Ende ist an der Stiftsruine – werden Themen wie Schlaf, Traum, Trauer, Versöhnung und Erwachen mit Lesungen, Musik, Tanz und Meditation dargestellt. „Wir wollen als Kirche erfahrbar und greifbar sein“, so die Pröpstin, die auf zahlreiche Teilnehmer und eine laue Sommernacht hofft. (Eine ausführliche Vorstellung des Programms folgt in einer der nächsten Ausgaben.)

Kirche und Theater seien sich gar nicht so unähnlich, ein gemeinsames Projekt liege also nicht fern. „Es sind die letzten Bastionen, wo sich die Menschen freiwillig versammeln und sich auf bestimmte Inhalte konzentrieren“, sagt Freytag. Und noch etwas hätten Kirche und Theater gemeinsam: Man müsse zwar auf die Zahlen schauen, aber man dürfe sich nicht davon bestimmen lassen, so Kropf-Brandau. „Wenn wir unsere Gottesdienste ökonomisch betrachten würden, dann gäbe es wohl keine mehr.“

Freiwillige Helfer

Von Nadine Maaz

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