Pestel-Institut: Altersarmut wird bis 2020 erheblich steigen

Gefragt sind preiswerte Senioren-Wohnungen

Hersfeld-Rotenburg. Viele ältere Menschen im Kreis Hersfeld-Rotenburg werden über einen Wohnungswechsel nachdenken müssen. Der Grund: Sie werden sich ihre Wohnungen oder Einfamilienhäuser nicht mehr leisten können. Zu dem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover. Diese prognostiziert eine deutlich zunehmende Altersarmut. Demnach werden im Jahr 2020 etwa 1100 Rentner im Kreis auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein. Ihre Zahl würde damit in diesem Jahrzehnt dramatisch steigen: um rund 133 Prozent.

„Das soziale Netz wird die meisten 55- bis 65-Jährigen, die heute von Hartz IV leben, im Rentenalter auffangen müssen“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Immer mehr Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien gingen in Rente.

Verantwortlich für die sinkenden Rentenbezüge seien oft Phasen von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und dauerhaft geringfügige Beschäftigungen, ebenso wie eine geringe oder fehlende Altersvorsorge bei vielen Selbstständigen.

Gemessen am Bundesdurchschnitt ist die zu erwartende Altersarmut im Kreis im Jahr 2020 laut Pestel-Institut mit einer Quote von 3,6 Prozent aber noch relativ gering, erklärte Günther. Die Armut konzentriert sich danach besonders in den Städten wie Kassel mit einer Quote von über 9 Prozent oder Offenbach mit fast 11 Prozent. Im Fokus der Berechnungen stehen bezahlbare Wohnungen im Alter. „Wenn die Altersarmut zunimmt, müssen wir über neue Wohnformen nachdenken. Das heißt: kleinere, energieeffiziente, altengerechte Wohnungen“, sagt Günther. Bezahlbar seien für viele Ältere, die allein lebten, Wohnungsgrößen zwischen 30 und 40 Quadratmetern.

Um sich auf das Senioren-Wohnen vorzubereiten, müsse demnächst „in erheblichem Maße“ neu und umgebaut werden. Immerhin werde bis 2020 die Zahl der Rentner im Kreis um 7,6 Prozent auf über 30 500 steigen. (ank)( Zum Tage, Nächste Seite

Kommentare