Aufzug steckte fest: Ehepaar verpasst den Flug in die Flitterwochen nach Mexiko

Gefangen im Fahrstuhl

Fania Aschenbrenner (links) ist erleichtert: Nach eineinhalb Stunden wurden ihr Schwiegervater Karl-Heinz Aschenbrenner (2. v. l.), ihr Ehemann Timo Aschenbrenner und ein weiterer Passant aus dem steckengebliebenen Fahrstuhl im Bahnhof Bad Hersfeld mit Hilfe der Hersfelder Feuerwehr und eines Mitarbeiters der Hersfelder Notrufzentrale RBS (rechts im Bild) aus dem Fahrstuhl befreit. Foto:  Skryszowski

Bad Hersfeld. Es war ein Wettrennen mit der Zeit: Der Flieger des jungen Ehepaares Fania und Timo Aschenbrenner aus Rotenburg sollte gestern um 14 Uhr nach Mexiko in die Flitterwochen starten. Mit dem Zug wollten die beiden von Bad Hersfeld aus nach Frankfurt am Main zum Flughafen, doch der Zug fuhr ohne sie.

„Die brauchen aber lange bis nach oben“, dachten sich die 29-jährige Fania und ihre Schwiegermutter Waltraud Aschenbrenner, die schon oben auf dem Bahnsteig auf ihre Männer mit den Koffern warteten. Timos Eltern haben die jungen Leute zum Bahnhof gebracht.

Ehemann Timo, sein Vater Karl-Heinz und eine weitere Person steckten in dem Fahrstuhl fest und waren für eineinhalb Stunden dort gefangen.

Kein Erfolg

Eins war klar: Die drei Männer mussten so schnell wie möglich befreit werden, damit die Flitterwöchner die Maschine noch erreichen konnten. Ein Mitarbeiter der Hersfelder Notrufzentrale RBS war schnell vor Ort und versuchte den Fahrstuhl wieder in Gang zu bringen. Doch der bewegte sich keinen Zentimeter.

Gegen 11 Uhr traf die Hersfelder Feuerwehr ein und versuchte ebenfalls ihr Glück. Doch selbst die manuelle Steuerung des Fahrstuhls mit Hilfe eines Nothebels war nicht möglich.

Sonderstopp

So langsam wurde die Zeit knapp. Trotzdem organisierte Klaus Gilbert, Angestellter der Deutschen Bahn, in der Zwischenzeit den Transfer zum Flughafen. Ein ICE aus Dresden sollte auf der Durchreise in Bad Hersfeld einen ungeplanten Zwischenstopp machen und die 29-jährige Frau und ihren 34-jährigen Ehemann nach Frankfurt bringen.

Da sich der Aufzug nach wie vor nicht bewegte und in der Mitte des Schachtes steckte, blieb nur die Möglichkeit, die Insassen durch einen 40 Zentimeter breiten Spalt heraus zu holen.

Mit Hilfe der Feuerwehr wurde zunächst das Gepäck evakuiert, anschließend kletterten die drei Männer über eine Leiter aus dem Schacht heraus. Auf dem Bahnsteig herrschte große Erleichterung darüber, dass alle unverletzt gerettet werden konnten.

„Ich habe noch überlegt, ob ich mit dem Koffer die Treppe oder den Fahrstuhl nehme“, bedauerte Timo Aschenbrenner kurz darauf.

Vor allem ihm und seiner Frau Fania fiel nach der ganzen Aufregung zunächst ein Stein vom Herzen: Gerade noch rechtzeitig vor der Ankunft des ICEs aus Dresden befreit, sollte den Flitterwochen nun nichts mehr im Wege stehen.

Flug verpasst

Die Deutsche Bahn hatte inzwischen auch mit der Fluggesellschaft Condor Kontakt aufgenommen und diese über den Vorfall und die etwa fünfminütige Verspätung der Reisenden informiert. Condor zeigte sich zunächst kooperativ und versprach auf das junge Paar zu warten. Gegen 13.10 Uhr erreichten die beiden den Flughafen, aber dennoch zu spät: Die Fluggesellschaft nahm die beiden Urlauber nicht mehr mit.

Nacht im Hotel

Fania und Timo mussten deshalb eine Nacht im Hotel in Frankfurt verbringen. Sie hatten jedoch noch etwas Glück im Unglück: Heute um 10 Uhr startet der nächste Flieger nach Mexiko – hoffentlich mit den Aschenbrenners an Bord.

Wer für die zusätzlichen Flug- und Hotelkosten aufkommt, ist noch nicht geklärt. „Die Geschädigten müssen bei der Deutschen Bahn einen Antrag stellen, der nach dem Fahrgastrechtegesetz geprüft wird“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Danach entscheide sich auch, zu welchen Teilen das Ehepaar entschädigt werde.

Von Nina Skrzyszowski

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