Diakonie veranstaltete Aktion zu Glücksspielsucht an den Beruflichen Schulen

Ein gefährliches Spiel

Offene Gespräche: Christina Heimeroth (rechts) spricht mit den Jugendlichen und Lehrer Christian Bräuning (zweiter von rechts) über eigene Erfahrungen im Bereich Sportwetten. Die Schüler konnten Fragen an die Diplom Sozialarbeiterin stellen. Fotos: Rössing

Bad Hersfeld. Ein Aktionstag zur Glücksspielsucht, speziell zum Thema Sportwetten, fand im Foyer der Beruflichen Schulen Obersberg statt. Die Schüler konnten sich einzeln oder in ihren Klassen über das Thema informieren. Etwa 40 000 Menschen in Hessen haben Probleme mit Glücksspiel. Christina Heimeroth von der Diakonie, Fachberatung Glücksspielsucht, informierte Schüler der Beruflichen Schulen über die Auswirkungen der Spielsucht.

Dafür hatte sie im Foyer eine Informationstafel sowie einen Tisch mit Flyern und Broschüren aufgebaut und eine Bodenzeitung ausgelegt. Die Jugendlichen sprachen sehr offen über ihre Erfahrungen mit Glücksspielen und brachten ihre eigene Meinung durch Markierungen auf der Bodenzeitung ein. Sie sollten zu der Aussage, der sie zustimmten, einen Punkt kleben. Bei der Diskussion erfuhren sie von Christina Heimeroth, dass viele Anbieter von Sportwetten, wie auch „tipico“, keine Lizenz hätten und sich mit ihrem Gewerbe momentan im „rechtsfreien Raum“ bewegen würden.

Vormittags mehr Frauen

Laut der Diplom-Sozialarbeiterin widmen sich vormittags mehr Frauen dem Glücksspiel. Mittlerweile gebe es sogar Automaten speziell für Frauen. Gegen Nachmittag seien dann aber mehr Männer in den Spielhallen anzutreffen. „Die meisten beschäftigen sich nicht mit den Konsequenzen. Im Vordergrund steht nur der Gewinn. Dass man davon süchtig werden kann, blenden die Spieler aus“, erzählt Christina Heimeroth. Das Glücksspiel erfülle verschiedene Funktionen. Zum einen soll Stress abgebaut werden, indem die Menschen nach einer Flucht aus dem Alltag suchen. Zum anderen gebe es den sogenannten „Schneeballeffekt“, bei dem durch Gruppenzwang innerhalb des Freundeskreises eine schnelle Abhänigkeit von Glücksspielen entwickelt werde. Die Gefahren der Konsequenzen werden dabei meist unterschätzt.

„Es steigert das Selbstwertgefühl, wenn man 1000 Euro gewinnt, nachdem man etwa 3000 Euro ausgegeben hat, und sich dann von dem Gewinn das neue Iphone 6 kaufen kann. Die Menschen definieren sich über materielle Dinge.“ Heimeroth erklärt, dass bereits Kinder unter 18 Jahren das Glücksspiel für sich entdecken. Der erste Schritt in das Hilfesystem dauere lang und sei sehr schwierig. Heimeroth selbst unterstützt hilfesuchende Spielsüchtige, wenn sie sich zum Beispiel in das Sperrsystem „Oasis“ eintragen lassen wollen. Dadurch gesperrten Spielern soll der Zutritt zu Spielhallen verwehrt werden.

Für Betroffene gibt es immer donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr eine Selbsthilfegruppe in der Kaplangasse 1 in Bad Hersfeld.

Weitere Informationen: Christina Heimeroth, Fachberatung Glücksspielsucht, Telefon:  0 66 21 /6 10 91 oder per E-Mail an: christina.heimeroth@ekkw.de

Von Sarah Rössing und Franziska Sell

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