98 Erkrankungen durch MRSA-Erreger - Netzwerk ist aktiv

Gefährliche Keime zwingen zum Handeln

Hersfeld-Rotenburg. Den Kampf gegen gefährliche Keime, bei denen herkömmliche Antibiotika nicht mehr helfen, hat der Kreis Hersfeld-Rotenburg aufgenommen. Bei einem Treffen des im vergangenen Jahr gegründeten Netzwerks MRSA (siehe Hintergrund) stellte der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Dieter Gobrecht, die Ergebnisse aus einer Umfrage vor, die belegen, dass das Problem dringend angepackt werden muss.

Laut Dr. Gobrecht gab es 2009 in den Krankenhäusern und Alteneinrichtungen des Kreises 98 registrierte Fälle von Erkrankungen durch den MRSA-Erreger. 283 mal mussten Menschen wegen des Verdachts oder einer bestehenden Infektion in Einzelzimmern isoliert werden.

Das Netzwerk MRSA hat das Ziel, auf Kreisebene ein einheitliches Vorgehen bei Verdacht und Infektion mit dem MRSA-Erreger zu organisieren, erklärte der Arzt.

Kassen wollen nicht zahlen

Großes Problem sind die Kosten, die entstehen, wenn Träger der Keime oder daran erkrankte Menschen behandelt werden müssen. Viel Geld kosten nicht nur die Medikamente, sondern auch die notwendige Isolierung. Das heißt, die Betroffenen müssen für einige Tage streng in einem Einzelzimmer isoliert werden, Pflegekräfte müssen vor jedem Betreten des Zimmers einen Einmalkittel anziehen, Wäsche und Einrichtung müssen mehrfach desinfiziert werden und vieles mehr.

Die Krankenkassen sind nach Angaben Gobrechts oft nicht bereit, dafür zu zahlen. Das gilt vor allem für diejenigen MRSA-Fälle, die zu Hause oder in einer Alteneinrichtung gepflegt werden oder aus dem Krankenhaus entlassen und vom Hausarzt weiterbehandelt werden.

Die Umfrage zeige auch, dass Antibiotika viel zu oft und nicht gezielt genug verordnet werden, sodass sich Erreger wie der MRSA bilden können. SEITE 2

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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