Festspieler: Patrizia Margagliotta steht als Luftgeist Ariel im „Sturm“ auf der Bühne

Ein geerdetes Fantasiewesen

Vertauschte Rollen: Musicaldarstellerin Patrizia Margagliotta will das Publikum von „Der Sturm“ mit ihren Songs überzeugen. Foto: Spanel

Bad Hersfeld. In dem Musical „Der Sturm“ spielt Patrizia Margagliotta Ariel, den Luftgeist. Ein sphärisches Fantasiewesen, ausgestattet mit magischen Kräften, aber in seiner übergroßen Freiheitsliebe doch nur allzu menschlich.

„Ich habe einen unglaublichen Spaß dabei, die Rolle auszufüllen“, sagt die 31-Jährige. Zwar wirkt die zarte Musicaldarstellerin mit den feinen Gesichtszügen auf den ersten Blick selbst wie ein Zauberwesen aus einer anderen Welt, aber unterschätzen sollte man sie nicht: Patrizia Margagliotta weiß sehr genau, was sie will. Den Drang auf die Bühne habe sie schon als Kind in sich gespürt, erzählt sie. „Mit zwölf Jahren habe ich meinen Berufwunsch dann das erste Mal formuliert“, sagt die gebürtige Solingerin lachend. „Meine Eltern hofften anfangs noch auf eine Phase, die irgendwann vorübergeht.“

Aha-Erlebnis

Doch als sie mit ihrer Solinger Schultheatergruppe einen Förderpreis gewann und als Hauptpreis das Musical „Les Misérables“ in Duisburg sehen durfte, gab es kein Zurück mehr. Dem Abitur ließ Patrizia Margagliotta eine vierjährige Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der Folkwang Universität der Künste in Essen folgen.

Seit ihrem Diplom im Jahr 2007 ist sie Stammgast auf den Theaterbühnen in ganz Deutschland. Nur Klischees will sie nicht bedienen: Als Hauptdarstellerin in der Stuttgarter Bühnenadaption von „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ sorgte sie mit frecher Frisur sogar für einen kleinen Theaterskandal – schließlich dürfe das Aschenbrödel doch keine kurzen Haare haben.

„Spitze“ sei hingegen die Arbeit mit Regisseur Janusz Kica in Bad Hersfeld. „Er versteht es, den komplexen Shakespeare-Stoff auf moderne Art und Weise umzusetzen und dem Publikum näher zu bringen“, sagt Patrizia Margagliotta. „Im ,Sturm’ singen wir 20 verschiedene Songs – und am Ende ist die Musik doch der direkte Weg zu den Emotionen.“

Auch abseits der Bühne stellt sie das gerne unter Beweis. Mit ihrer Soca Band Berlin brachte die Sängerin einen Hauch von Karibik nach Bad Hersfeld, als sie tanzend und musizierend quer durch die Stadt vom wortreich zur Stiftsruine zogen.

Spielen, singen, tanzen

„In Berlin haben wir uns der Straßenmusikkultur verschrieben“, erklärt die 31-Jährige und lacht. „Man kann die Menschen mit geringem Aufwand glücklich machen und zum Tanzen bringen.“

Hin und wieder verspüre aber auch sie das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung vom Bühnenleben. Dann sucht Patrizia Margagliotta die Nähe zur Natur: „In Bad Hersfeld spaziere ich gerne an dem Fuldaufer entlang“. Trotz aller luftigen Leichtigkeit bleibt Patrizia Margagliotta so geerdet – eben fast wie ein Fantasiewesen.

Von Emily Spanel

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