250 Dinge, die wir an der Region mögen (239): Gedenktafeln in Bad Hersfeld

Gedenken heißt Erinnern

An die zerstörte Synagoge und 80 ermordete Juden erinnern Gedenktafeln an der Stadtmauer am Schillerplatz.

Bad Hersfeld. Als vor 250 Jahren der Hersfelder Buchhändler Georg Mohr zweimal in der Woche das „Intelligenz- und Zeitungsblatt von Hessen“ herausgab, aus der im 19. Jahrhundert die „Hersfelder Zeitung“ hervorging, da konnte er nicht ahnen, wie sich die Drucktechnik bis heute ändern würde. Nicht viele Zeitungen in der Welt können sich rühmen, seit 250 Jahren zu bestehen.

Im Weltgeschehen gesehen sind 250 Jahre nur ein Augenblick, ein Wimpernschlag. In dieser Zeit wurden viele Erfindungen gemacht, gab es technische Fortschritte zum Vorteil für die Menschen. Zum Beispiel die Eisenbahnen, Flugzeuge, das Fernsehen, Computer und anderes mehr. Zahlreiche medizinische Fortschritte heilten Krankheiten oder linderten Leiden und unser Globus wurde durch Entdeckungen kleiner.

Elend über die Menschheit

Leider gab es auch viele Ereignisse, die von den Menschen verursacht wurden und Not und Elend über die Menschheit brachten. Neben wirtschaftlichen Fehlentscheidungen waren das vor allem solche, die zu Kriegen führten. In der Mehrheit waren früher die Leidtragenden die Soldaten. Auch die zivile Bevölkerung litt in allen früheren Kriegen. Doch die Bombardements im 2. Weltkrieg auf zivile Ziele waren ausschließlich auf das Töten von Zivilisten ausgelegt. Begonnen hatten dies die Deutschen.

Leider organisierten die Nationalsozialisten unter größter Geheimhaltung auch das fabrikmäßige Töten von Menschen ihres Glaubens oder ihrer Abstammung wegen. In diesem Beitrag sollen die Gedenktafeln erwähnt werden, die an die ermordeten Menschen erinnern sollen.

Gedenken heißt erinnern. In Hersfeld erinnern zahlreiche Gedenktafeln und Denkmäler an positive oder schmerzliche Ereignisse oder an Personen, die den Respekt oder die Achtung der Bürger errangen. Andere Gedenktafeln in Bad Hersfeld erinnern daran, dass viele Menschen in den Jahren 1933 bis 1945 ob ihrer Abstammung oder ihres Glaubens von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.

Die erste Hersfelder Gedenktafel wurde von der „Gesellschaft für Christliche-Jüdische Zusammenarbeit, Hersfeld-Rotenburg“ im Jahre 1988 angeregt. Sie war den früheren jüdischen Bürgern gewidmet und befindet sich an der Stadtmauer am Schillerplatz in Sicht des Kinocenters, denn dort befand sich früher die Synagoge, die am 8. November 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt wurde und bis auf die Grundmauern abbrannte.

80 ermordete Juden

Eine zweite Gedenktafel an selber Stelle nennt die Namen von 80 ermordeten Hersfelder Juden. Sie wurde vom Autor im Jahr 2000 angeregt.

Eine weitere Gedenktafel befindet sich seit 2010 in der Bahnhofstraße und erinnert an die letzten Hersfelder Juden, einen Mann und sechs Frauen, die am 30. Mai 1942 deportiert wurden.

Sinti und Roma

An die von den Nationalsozialisten ermordeten Hersfelder Sinti und Roma erinnert eine Tafel an der Wand des Rathauses in der Weinstraße.

Eine kleine Tafel unterhalb des Straßenschildes macht auf den Reichstagsabgeordneten Michael Schnabrich (SPD) aufmerksam, der am 9. Oktober 1939 im KZ Sachsenhausen starb.

Von Otto Abbes

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