250 Dinge, die wir an der Region mögen (225): Das Archiv der Stadt Bad Hersfeld

Das Gedächtnis im Keller

Gerhard Kraft (links) präsentiert die älteste Archivale und Jürgen Wolff zeigt ein Stück- und Steuerbuch aus dem Jahre 1881. Foto: Miehe

Bad Hersfeld. Im Untergeschoss der Konrad-Duden-Stadtbibliothek befindet sich das Bad Hersfelder Stadtarchiv, das „Gedächtnis der Stadt“. Ungezählte Akten und Fotos liegen hier mehr oder weniger wohl archiviert. Louis Demme (1848-1898), Stadtsekretär zu Hersfeld, hatte bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zahlreiche Archivalien aufgearbeitet und in drei Bänden seiner „Chronik von Hersfeld“ publiziert und somit diese einem interessierten breiteren Leserkreis zugänglich gemacht. Dieter Handtke hat aus den letzten handschriftlichen Aufzeichnungen von Louis Demme vor Jahren noch einen vierten Band dankenswerterweise herausgegeben.

Im Laufe der Zeit kamen noch viele neue Akten hinzu und mussten neben den alten geordnet und inventarisiert werden. Vor allem unter anderem Dr. Elisabeth Ziegler und später Dr. Waldemar Zillinger haben jeweils über Jahrzehnte das Archiv verwaltet, konnten aber die Fülle der Archivalien nur notdürftig erfassen.

Engagiert: Gerhard Kraft

Nach dem Tod von Dr. Zillinger wurde das Archiv 2001 seitens der Stadt dann Johannes van Horrick, zuständig für Stadtplanung und Denkmalpflege, zur Verwaltung unterstellt; dieser konnte sich aus Zeitgründen aber nur unzureichend der Archivarbeit widmen. In Gerhard Kraft bot sich schließlich ein engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter an. Hatte dieser doch selbst im Rahmen seiner Familienforschung bei Recherchen im Archiv festgestellt, dass die Archivalien unzureichend geordnet waren – „stapelweise lagen Akten und Bücher herum!“

So sah Gerhard Kraft nach seiner Pensionierung in zeitweiliger Archivarbeit eine neue Aufgabe. Ab 2002 nahm er demzufolge die Ordnung der Archivalien in Angriff, hat dabei die vorhandenen alten Signaturen vieler Dokumente nach dem Vorbild des Marburger Staatsarchivs neu registriert und diese vor allem auch mit dem Computer erfasst. Seit 2003 unterstützte ihn dabei einige Jahre Beate Schwarz und 2009 fand er in Jürgen Wolff einen engagierten Mitstreiter. Jürgen Wolff widmet sich seither ebenfalls in ehrenamtlicher Weise vor allem der Sichtung und Archivierung des umfangreichen Fotomaterials, das zum Beispiel aus Hersfelder Familiennachlässen dem Archiv übergeben wurde.

Urkunde von 1307

Die älteste Archivale ist eine Urkunde aus dem Jahre 1307, in der es um einen Sühnevertrag zwischen dem Abt Simon von Hersfeld und dem Probst zu Kreuzberg geht. Über Jahrhunderte bis ins 20. Jahrhundert sammelten sich dann jeweils aus dem Leben der Stadt ungezählte Dokumente an. In der Zeit von 1933 bis 1945 wurden die Akten offensichtlich größtenteils vernichtet und später hat man keine mehr ins Archiv gebracht und diese in den einzelnen Verwaltungen und anderswo aufbewahrt. Da Gerhard Kraft und Jürgen Wolff annehmen, dass dort immer mehr alte Akten entsorgt werden, setzen sie sich für eine Erweiterung des Stadtarchivs ein und würden gerne auch neuere Dokumente archivieren, was aber derzeit etwa aus Platzgründen nicht zu verwirklichen ist. Jedenfalls werden auch die neueren Akten in absehbarer Zeit ihren geschichtlichen Wert haben.

Das Stadtarchiv ist immer donnerstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet, und in dieser Zeit können Besucher auf die Einweisung und Hilfestellung von Gerhard Kraft und Jürgen Wolff zählen.

Von Brunhilde Miehe

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