Montagsinterview mit Sportkreis-Vorsitzendem Paul Mähler über Vereinsvorstände

Vom Geben und Nehmen

Rotenburg, Paul Mähler, Vorsitzender des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg

Hersfeld-Rotenburg. Vereinsvorstand dringend gesucht – noch gilt das für wenige Clubs im Sportkreis Rotenburg. Doch dessen Vorsitzender, Paul Mähler aus Rotenburg, weiß: „Das Problem wird größer.“ Denn nicht nur Mitgliederzahlen sinken, sondern auch die Zahl derer, die Verantwortung im Verein übernehmen wollen. Ein Thema, das wir mit Mähler vertieften.

Herr Mähler, Jahreshauptversammlungen in den Vereinen werden spärlich besucht, so manchem Verein fehlen Mitarbeiter im Vorstand. Gibt es eine Krise?

Paul Mähler: Von einer Krise kann man nicht sprechen. Die Vorstandsarbeit in den Vereinen im Sportkreis kann noch abgedeckt werden. Allerdings haben einige Vereine Probleme, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden.

Woran liegt das? Haben die Menschen Angst vor der Verantwortung?

Mähler: Da gibt es verschiedene Gründe: Natürlich macht sich jetzt der demographische Wandel bemerkbar. Die Bevölkerungszahl geht zurück. Und die, die noch hier leben, müssen oft weit zur Arbeit pendeln. Da bleibt kaum Zeit fürs Ehrenamt. Oder die jungen Menschen, die sich im Bambini- oder Schülerbereich engagiert haben, gehen weg zum Studium. Die kommen in der Regel nicht wieder. Es gibt aber auch schlicht die Null-Bock-Haltung. Schlimmstenfalls ist die verbunden mit einer enormen Anspruchshaltung.

Können Sie das präzisieren?

Mähler: Ein Beispiel: Da steht eine Schülermannschaft am Samstagnachmittag ohne Fahrer da. Der Verein hatte sogar über einen Sponsor Autos beschafft, damit die Kinder zum Fußballspiel gebracht werden konnten. Aber nicht einmal da fanden sich Eltern, die fahren wollten. Es gibt Eltern, die geben ihre Kinder im Verein ab und freuen sich, dass sie zwei Stunden Ruhe haben. Der Verein interessiert sie nicht. Das ist aber zum Glück nicht die Regel.

Abgesehen von Zeitmangel oder Lustlosigkeit – muss man Angst vor der Vorstandsarbeit haben?

Mähler: Das sicher nicht. In Vorstandsarbeit kann man hineinwachsen. Ich rate den Vereinen, den Kindern und Jugendlichen von Anfang an Verantwortung zu übertragen, sie zum Beispiel regelmäßig die Halle oder den Platz aufräumen, Jugendliche ein Fest für Kinder organisieren lassen. So lernen sie von klein auf das Geben und Nehmen im Verein.

Vorstandsarbeit ist aber doch noch etwas anderes, als die konkrete Arbeit auf dem Platz.

Mähler: Das stimmt. Aber man gewinnt so einen leichteren Zugang zur Vorstandsarbeit. Allerdings muss man auch sagen, dass Vereinsführung im Laufe der Jahre nicht leichter geworden ist. Die Sportverbände verlangen viel Bürokratisches ab. Früher konnte man Probleme auch mal per Telefon, auf dem kleinen Dienstweg, erledigen. Heute muss dann gleich der Liga-Ausschuss entscheiden.

Wie kann man denn die Arbeit erleichtern?

Mähler: Die Basis für gute Vorstandsarbeit ist die enge Zusammenarbeit mit den Abteilungen. So kann man auch Arbeit besser verteilen. Ein Vorstand darf sich nicht isolieren, sondern muss in die Abteilungen gehen. Es muss einen guten Informationsfluss geben. Große Vereine können auch darüber nachdenken, ob sie nicht die Beiträge ein wenig anheben und jemanden gegen Entgelt beauftragen, die Routinearbeiten zu erledigen. Das würde schon sehr helfen.

Wie sind Sie selbst zur Funktionärsarbeit gekommen?

Mähler: Ich habe von Kindheit an Sport in verschiedenen Vereinen getrieben. Und da war immer ein Trainer, der Zeit für mich hatte. Das hat mir auch gesellschaftlich etwas gegeben. Irgendwann habe ich angefangen etwas zurückzugeben, in dem ich Verantwortung übernommen habe.

Von Silke Schäfer-Marg

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