Wochenendporträt: Hanns-Karl Madelung gibt Hotel ab, bleibt aber Dehoga-Vorsitzender

Gastronomischer Vagabund

Hersfeld-Rotenburg. Den Kampf gegen die Bettensteuer könnte Hanns-Karl Madelung eigentlich anderen überlassen. Die Leitung des Landhotels Kirchheim hat der 64-Jährige Anfang des Monats abgegeben. Doch auch, wenn Madelung sich nach 48 Jahren zur Ruhe setzt, liegt ihm die Branche weiterhin am Herzen. „Gastronomie ist mein Leben“, betont er.

Vorsitzender des Kreisverbands Waldhessen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) will der gebürtige Bayer deshalb auch ohne eigenen Betrieb bleiben – und gerichtlich gegen die jüngst beschlossene Tourismusabgabe vorgehen.

Erste Sporen in der Gastronomie verdiente sich der in Bad Tölz geborene Madelung im Alter von 15 Jahren als Bierbursche bei Franziskanerbräu in München. Eine Lehre als Bankkaufmann brach Madelung ab, um sich der Gastronomie zu widmen. Seither ist der 64-Jährige, der sich selbst einen „gastronomischen Vagabunden“ nennt, viel herumgekommen. Er arbeitete als Barkeeper in der Münchner Discothek Blow Up und belieferte im Rheinland als Caterer das Bundesaußenministerium.

Im Laufe der Jahre erwarb er nicht nur Berufsabschlüsse als Kellner und Koch, er erlangte auch die Ausbildereignung und schloss ein betriebswirtschaftliches Studium erfolgreich ab. 1996 kam Madelung nach Osthessen, zunächst nach Bad Salzschlirf, von 2002 bis 2010 führte er das Hotel Wenzel in Bad Hersfeld. Als dieses zum Gesundheitszentrum umgebaut wurde, übernahm Madelung das Landhotel am Hattenberg in Kirchheim. „Mein Auftrag war, das Objekt verkaufbar zu machen“, betont der 64-Jährige, dass Kirchheim für ihn ohnehin nur als Zwischenstation gedacht war. Den Ruhestand habe er schon länger geplant – auch aus gesundheitlichen Gründen.

Kämpferisch: Hanns-Karl Madelung beim Protest gegen die Bettensteuer in Kirchheim im März dieses Jahres. Sein Hotel hat Madelung abgegeben, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Waldhessen will er weiterhin bleiben. Foto: Eisenberg

„Ich habe einen großen Garten“, antwortet Madelung auf die Frage, wie er seinen Ruhestand gestalten möchte. „Und seit 30 Jahren habe ich endlich Zeit für meine Briefmarkensammlung.“ Mehr Zeit möchte Madelung ab sofort auch seiner Frau, seinen beiden Kindern und Enkeln und seinen Geschwistern widmen. Seine Familie habe in der Vergangenheit oft auf ihn verzichten müssen. Sogar die Hochzeit seines Sohnes und den 80. Geburtstag seiner Mutter hatte er verpasst, weil er im Hotel gebraucht wurde.

Vollkommen möchte sich das bekennende FDP-Mitglied aber noch nicht zur Ruhe setzen. Obwohl er in Bad Salzschlirf wohnt, will Madelung im Frühjahr noch einmal für den Vorsitz des Hotel- und Gaststättenverbandes Waldhessen kandidieren – vor neun Jahren hatte er das Amt von Else Luckhardt übernommen. Seine Erfahrungen will Madelung auch in Zukunft weitergeben. „Als ich 1998 einen Herzinfarkt hatte, war ich auch froh, dass andere mir geholfen haben“, erzählt der 64-Jährige, der in Kürze eine Beratungs-Firma für Gastronomiebetriebe gründen will.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare