Griechen im Landkreis schauen mit Sorge auf politische Entwicklung in ihrer Heimat

Gastfreundschaft gilt noch

Schauen mit Sorge auf die politischen Entwicklungen in Griechenland: Paris (links) und Konstantinos Dingiloudis, die Betreiber des Griechischen Restaurants Naxos am Bad Hersfelder Marktplatz.

Bad Hersfeld. Über 30 Jahre leben Konstantinos und Paris Dingiloudis schon in Deutschland, die aktuellen politischen Geschehnisse in ihrer Heimat Griechenland sind die Betreiber der Bad Hersfelder Gaststätte Naxos dennoch täglich Gesprächsthema. „Erschreckend“ nennt Konstantionos Dingiloudis, den die Hersfelder nur Kostas nennen, die Zustände in seinem Heimatland nach der Wahl, die keine klaren Mehrheisverhältnisse brachte.

Die Menschen in Griechenland wollten die Politiker bei der Wahl abstrafen, sind sich die Brüder sicher. Abstrafen dafür, dass sie das Land in diese Situation gebracht haben, aber auch für den Sparkurs, der die einfache Bevölkerung hart treffe.

Sparkurs trifft Bevölkerung

Seine Cousine, eine Lehrerin, verdiene jetzt nur noch 700 statt vorher 1400 Euro. „Mit zwei Kindern kommt man da vorne und hinten nicht zurecht“, sagt Kostas Dingiloudis. Benzin koste 1,95 Euro pro Liter, auf dem Land könnten sich die Bewohner zumindest selbst mit Lebensmitteln versorgen. Die Menschen in Griechenland seien verbittert, weil die Politiker für ihre Verfehlungen in der Vergangenheit bisher nicht zur Verantwortung gezogen wurden.

„Das schlimmste ist, dass die Faschisten ins Parlament eingezogen sind“, wirft Kostas’ Bruder Paris ein. Dass die neonazistische Chrysi Avgi 21 Mandate erringen konnte, erfüllt die Brüder mit Sorge.

Dennoch ist Kostas Dingiloudis optimistisch. „Die Vernunft wird siegen“, sagt er. Der 52-Jährige und sein zwei Jahre jüngerer Bruder setzen auf eine stabile Regierung auch ohne Neuwahlen. Sein Land müsse in der Euro-Zone bleiben, allein schon zur Sicherheit der Investoren aus anderen EU-Ländern, sagt Kostas Dingiloudis.

Bekannte begrüßen

Per Satellitenfernsehen, Internet und bei Telefonaten mit Verwandten informieren sich die Brüder täglich über das Geschehen in ihrem Heimatland. Auch bei den Gästen sei die Krise Gesprächsthema. „Ich habe in Bad Hersfeld aber noch keinen Freund durch die Krise verloren“, scherzt Konstantinos Dingiloudis, der das Gespräch immer wieder unterbrechen muss, um Bekannte zu grüßen, die am Restaurant am Markplatz vorbeilaufen.

Auch der Ruf der Deutschen in Griechenland sei trotz Spardiktats der EU besser, als viele hierzulande annehmen.

„Das ist eine Sache zwischen den Politikern. Für die Touristen gilt nach wie vor die griechische Gastfreundschaft“, ist sich Paris Dingiloudis sicher. Polizeiauto...

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare