SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel zeigt sich von der persönlichen Seite

Zu Gast beim Kandidaten

Ein Wohnzimmer im Gasthaus: Für das Tischgespräch zwischen Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel und Sat-1-Moderatorin Gaby Papenburg hatte die SPD ein kleines Zimmer im Saal des Hessischen Hofs in Bebra aufgebaut – mit Bücherregal, Teppich und Bildern. Foto: Janz

Bebra. Thorsten Schäfer-Gümbel und Gaby Papenburg setzen sich an den schlichten Holztisch. An der Wand hängt der knallrote Druck eines Gerhard-Richter-Bildes, in einem schwarzen Ikea-Regal stehen Bücher und Fotografien. Der hessische SPD-Spitzenkandidat gießt beiden ein Glas Wasser ein, die Sat-1-Moderatorin öffnet ihr Buch und stellt die erste Frage.

So könnte ein Interview in heimischer Atmosphäre beginnen. Doch der Politiker und die Journalistin plaudern nicht allein, ihnen sitzen 100 Zuschauer gegenüber. Das Wohnzimmer mit den hellen Wänden und dem roten Teppich ist Kulisse. Sie soll für das Ambiente beim Tischgespräch im Hessischen Hof in Bebra sorgen. Die Zuschauer sollen den Kandidaten kennenlernen – ganz persönlich.

Und viel Persönliches kriegen sie eine Dreiviertelstunde lang zu hören: dass er ursprünglich Lastwagenfahrer werden wollte wie sein Vater; dass seine Frau seinen ersten Heiratsantrag schroff abgelehnt hat; dass die Kinder lieber die Pizza von Toni an der Ecke essen als die Spiegeleier von Papa.

Obwohl es bereits die zehnte derartige Veranstaltung im laufenden Wahlkampf ist, wirkt das Gespräch spontan und authentisch. Schäfer-Gümbel weiß vorher nicht, welche Fragen die Moderatorin ihm stellen wird, bemüht sich aber, möglichst offen zu antworten, erzählt er im Nachhinein.

Die Politik kommt später

Nur Platz fürs Politische ist in diesem Rahmen nicht. Das kommt erst nach einer Pause. Dann stellen sich die beiden mit den Landtagsabgeordneten Dieter Franz und Torsten Warnecke an einen Stehtisch. Das Signal: Der Blick ins Private ist vorbei, jetzt geht’s um Inhalte.

Erst darf noch die Bebraer SPD-Bürgermeisterkandidatin Christina Kindler das Publikum begrüßen, dann werden die Fragen der Zuschauer gestellt. Es geht um Arbeitsplätze und Hausärztemangel, Politikverdrossenheit und das Kürzen der Vereinsförderung. Applaus ernten gerade die Wahlkreiskandidaten: Wenn Warnecke vom Wegzug junger Menschen aus der Region spricht und Franz den Abzug öffentlicher Ämter durch die derzeitige Regierung geißelt, sprechen sie den Zuschauern aus dem Herzen.

Den Schlusspunkt aber setzt der Kandidat: Wieviel Prozent er holen will, sagt er nicht. Doch eines sei bei einem Sieg sicher: „Das werden fünf knochenharte Jahre Arbeit, die sich aber lohnen.“

Von Marcus Janz

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