Forschungszentrum Eichhof nimmt erweiterte Biogasanlage in Betrieb

Gasstrom füllt Lücken

Am Anfang steht die Kuh: Ein Gesamtblick auf die neue Biogas-Forschungsanlage im Landwirtschaftszentrum Eichhof. Foto: Klaus Wagner/nh

Bad Hersfeld. Nach zehn Monaten Umbau und Erweiterung wird im Bad Hersfelder Landwirtschaftszentrum Eichhof das hochmoderne Herzstück des Biogas-Forschungszentrums wieder hochgefahren. Die im Auftrag der Fraunhofer Gesellschaft (Institut IWES) und des Landesbetriebs Hessen von der Ökobit GmbH aus Trier errichtete großtechnische Forschungsbiogasanlage hat ihren Regelbetrieb aufgenommen. Der Gärprozess tierischer und pflanzlicher Abfälle, der die Basis für die Forschung bildet, wurde neu gestartet, wie Fachbereichsleiter Klaus Wagner berichtet. Zudem wartet eine neuartige Kompaktanlage, die auf die Bedürfnisse von Milchviehbetrieben zugeschnitten ist, auf den Gasstrom.

Verbrauchsspitzen abfangen

In Deutschland gibt es zur Zeit rund 7 000 Biogasanlagen, die aus Energiepflanzen und Gülle Gas zur Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoff gewinnen. Bislang speisen die den Anlagen angeschlossenen Blockheizkraftwerke rund um die Uhr Strom ins öffentliche Netz ein. Die eigentliche Stärke von Biogasanlagen mit nachgeschalteter Wärmekraft-Koppelung liegt jedoch nicht in einer kontinuierlichen Einspeisung, sondern im Abfangen von Verbrauchsspitzen.

Biomasse und Biogas sind speicherbar. Sie können „einspringen“, wenn Wind- und Solarstrom nicht produziert werden können. Je mehr Windenergie- und Photovoltaikanlagen die Stromproduktion in Deutschland übernehmen, umso stärker wächst die Bedeutung von Biogasanlagen für den optimalen Energiemix. Heutige Biogasanlagen sind für diesen Zweck aber noch nicht ausgelegt.

Wie bedarfsgerecht produzierende Anlagen aussehen können und wie sie sich mit Blick auf einen optimalen Energiemix in das Energiesystem der Zukunft integrieren lassen, soll daher in den kommenden Jahren im neuen Hessischen Biogas-Forschungszentrums (HBFZ) auf dem Gelände des Eichhofs ermittelt werden. Dabei kommt der neuen Anlage eine zentrale Rolle zu.

Drei Module

Die Bad Hersfelder Forschungsanlage besteht aus einem Versuchsfermenter, einem Nachgärer und einem Pumpcontainer. Das Veredelungskonzept ermöglicht die Nutzung des produzierten Biogases zur Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk und zur Beheizung der Stall- und Betriebsgebäude des Eichhofs. Die Anlage leistet 200 Kilowatt elektrisch. Erzeugt werden 0,8 Millionen Kubikmeter Biogas pro Jahr, die Stromproduktion beläuft sich auf 1,6 Millionen. kWh und die CO2-Einsparung auf 1 200 Tonnen jährlich. Umgerechnet ließen sich also 400 Haushalte mit Strom versorgen. Die Anlage ist, wie alle Ökobit-Biogasanlagen, substratflexibel ausgelegt, das heißt, es können alle vergärbaren Biomassestoffe eingesetzt werden.

High-Tech für die Praxis

Eine besondere Herausforderung bestand für die Anlagenbauer in der Einbindung der Bestandsbiogasanlage und der Integration der bestehenden Anlage mit Mikrogasturbine und anderen Energieerzeugern in das Forschungsvorhaben. Dennoch betrug die reine Bauzeit für die Forschungsanlage nur sechs Monate. Ökobit setzte neben erprobten Technologiekonzepten und bewährten Komponenten auch Eigenentwicklungen ein. Eine durchdachte Substratverteilung und ein ausgeklügeltes Gasmanagementsystem bilden neben dem Prozessleitsystem die High-Tech-Basis.

Von Kurt Hornickel

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