In der Bad Hersfelder Eröffnungsbilanz stecken fast 7000 Stunden Arbeit

Die ganze Stadt in 40 Akten

Gruppenbild mit Aktenordnern: Wilfried Herzberg (links), Fachbereichsleiter Finanzen bei der Stadt Bad Hersfeld, und vier der sechs Mitarbeiter, die während der vergangenen zwei Jahre die Eröffnungsbilanz erarbeitet haben. Anke Hofmann, Esther Thielmann, Corinna Nuhn und Torsten Ziem (von links) haben in 6700 Stunden rund 11 600 Positionen zusammengetragen. Nicht auf dem Bild sind Sabine Kleber und Hermann Höfer, dafür rechts Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, der das gedruckte Ergebnis präsentiert. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. In 40 dicken Aktenordnern steckt die Arbeit, die für die Erstellung der ersten Eröffnungsbilanz der Stadt Bad Hersfeld geleistet wurde. 40 Ordner, die während der vergangenen zwei Jahre angelegt und gefüllt wurden. 40 Ordner, in denen all das gesammelt, erfasst und bewertet wurde, was die Stadt darstellt, was sie besitzt und was sie schuldet.

Ein Rathaus etwa, das jedoch nur einen Euro wert ist, weil es nicht verkäuflich ist. Oder Kindergärten, deren Wert mit 5,2 Millionen Euro verbucht ist, und eine Beteiligung an der Sparkasse über rund 21 Millionen Euro. Die Schulden summieren sich auf 30,5 Millionen.

11 600 Positionen haben Wilfried Herzberg, Leiter des städtischen Fachbereichs Finanzen, und ein Arbeitskreis aus sechs seiner Mitarbeiter während der vergangenen zwei Jahre zusammengetragen, um der gesetzlichen Vorgabe zu genügen, die von jeder Kommune eine solche Bestandaufnahme zum Stichtag 1. Januar 2009 verlangt hat.

Alles „nebenher“

6700 Stunden haben Herzberg & Co. in diese Arbeit investiert, darunter 500 Stunden für spezifische Fortbildungen. Das alles hat der Fachbereich quasi „nebenher“ zu seinen eigentlichen Aufgaben bewältigt, mitunter auch außerhalb der regulären Arbeitszeit.

Viel Zeit wurde dafür benötigt, überhaupt erst einmal eine Struktur und Systematik zu finden. Hilfestellung vom Land gab es dafür nicht. Doch beispielsweise mit den Unterlagen des Amts für Bodenmanagement oder des Hessen-Forsts konnten Immobilien oder Wälder bewertet werden. Ganz zum Schluss machte auch noch das Wetter Probleme: Als die Feldwege erfasst werden sollten, waren sie unter einer Schneedecke versteckt.

Unter dem Strich steht nun ein städtisches Nettovermögen von gut 75,5 Millionen Euro. „Das ist ein guter Wert, wenn auch nur buchhalterisch,“ sagt Bürgermeister Hartmut H. Boehmer. Die Stadt sei nicht reich, aber durchaus wohlhabend. Sie verfüge über eine gute Infrastruktur, sei aber bei weitem nicht perfekt.

Dem Grundgedanken, eine Kommune sei wie ein Wirtschaftsbetrieb zu führen, verweigert sich der Hersfelder Rathauschef nach wie vor. „Wir sind nicht dazu da, Geld zu verdienen, wir sind da, um Dienstleistungen zu erbringen,“ sagt Boehmer und verweist auf 980 verschiedene Aufgaben, die die Stadt Tag für Tag leistet.

Nur der erste Schritt

Genauso heftig lehnt Boehmer die doppische Haushaltsführung ab, die teuer und personalaufwendig sei und für die ehrenamtlichen Stadtparlamentarier so gut wie unverständlich. Bad Hersfeld ist denn auch eine der ganz wenigen Kommunen, die ihre Haushalte immer noch nach der erweiterten Verwaltungsbuchführung zusammenstellen.

Für Wilfried Herzberg und sein Team war die Eröffnungsbilanz übrigens nur ein erster Schritt: Jetzt muss der Fachbereich die Schlussbilanz 2009 fertigen.

Von Karl Schönholtz

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