Schwurgericht Weiden verurteilte 23-jährigen Bad Hersfelder zu 13 Jahren Haft

„Ganze Familie ermordet“

Weiden/Bad Hersfeld. Der Vohenstraußer Stalker, der 23-Jährige Alexander S. aus Bad Hersfeld, war nicht Herr seiner Sinne, als er eine junge Frau erstach. Das Schwurgericht Weiden verurteilte ihn zu 13 Jahren Haft (Wir berichteten.

Stephanie Sch. sei eine schüchterne, ja verschlossene junge Frau gewesen, sagt ihre Mutter vor Gericht. Im letzten Sommer habe sie dann begonnen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Die 21-jährige alleinerziehende Mutter aus Vohenstrauß (Kreis Neustadt/Waldnaab) machte eine Ausbildung als Hauswirtschafterin. Sie wurde zur Klassensprecherin gewählt und kümmerte sich liebevoll um ihre kleine Tochter. „Mein Kind hat endlich angefangen zu leben“, sagt die Mutter.

Wenige Wochen später war Stephanie Sch. tot. Erstochen von einem jungen Mann, der sich Hoffnungen gemacht hatte auf eine Beziehung zu der hübschen jungen Frau. Die Beziehung war zu Ende, bevor sie richtig begonnen hatte, und der Enttäuschung darüber machte Alexander S. mit einer Bluttat Luft, die selbst hartgesottene Polizeibeamte schockiert haben soll, die zum Tatort geeilt waren.

Folgen des Alptraums

Der Horror kehrt am letzten Verhandlungstag gegen den 23-jährigen aus Bad Hersfeld noch einmal in den Gerichtssaal zurück: Ein Gerichtsmediziner rekonstruiert anhand der Blutspritzer und -lachen und des „vollständig mit Blut durchtränkten T-Shirts“ des Opfers minutiös den Tathergang. Die Familie des Opfers saß als Nebenkläger im Gerichtssaal. „Sie haben eine ganze Familie ermordet!“, schleudert Stefanie Sch.s Mutter dem Täter entgegen. Schlaflosigkeit, psychische Probleme, aufgegebene Berufspläne und unregelmäßiger Schulbesuch sind nur einige Folgen des Alptraums, der im November letzten Jahres über die Familie Sch. kam.

Beim Internet-Spiel „World of Warcraft“ hatten sich Stephanie Sch. und Alexander S. im Sommer letzten Jahres kennengelernt. Alexander S. fühlte sich ermutigt, die Online-Bekanntschaft in einer Beziehung im wirklichen Leben zu verwandeln. Doch daraus wurde nichts, die 21-jährige Oberpfälzerin gab dem damals 22-Jährigen zu verstehen, dass sie nichts mit ihm zu tun haben wolle. S. zog die falschen Schlüsse aus dieser Abfuhr und wurde zum Stalker. Der gelernte Lagerist zog nach Vohenstrauß, suchte sich einen Job und mietete sich in einem Gasthof ein. Er bombardierte Stefanie Sch. mit SMS und Telefonanrufen und trieb sich immer wieder in der Nähe ihrer Wohnung herum. „Dass der einen an der Waffel hatte, war schnell klar“, hat ein Nachbar als Zeuge vor Gericht ausgesagt.

Was der Nachbar in schnoddriger Ausdrucksweise sofort als psychische Störung erkannt hatte, blieb den Beamten der Polizeiinspektion Vohenstrauß komplett verborgen. Stephanie Sch. und ihre Mutter wollten den aufdringlichen jungen Mann wegen Stalkings, seit 2007 ein Straftatbestand, anzeigen. Die Polizisten beließen es jedoch bei einer Ermahnung an den Stalker, er solle sich nicht mehr der Wohnung des späteren Opfers nähern. (rwi)

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