Festspielkonzerte: Organist Felix Friedrich bringt Heiteres zum Klingen und zur Sprache

Die Gans im Bach-Haus

Begeisterte mit Heiterem an der Orgel und aus seinen Erfahrungen: Der berühmte Organist Felix Friedrich im Bachhaus. Foto: von Trott

Bad Hersfeld. Bemerkenswert: Als bekanntester Musiker gibt sich im Festspiel-Konzertzyklus 2012 ein Organist die Ehre. Wie viele Orgeln in aller Welt mag er erforscht und gespielt haben – und amtiert dauerhaft an einer der prominentesten: Dr. Felix Friedrich, seit 1976 Organist der historischen Heinrich-Gottfried-Trost-Orgel (1739) in der Schlosskirche von Altenburg (Ostthüringen). Diesmal, am Samstag- und Sonntagnachmittag an den modernen Instrumenten im Bach-Haus Bad Hersfeld, gab es aber nichts Feierliches, Sakrales, Ernstes, sondern Heiteres um die Orgel, ihre Musiker und Zuhörer.

Lebendige Erzählung

Friedrich hat Bücher gefüllt über sächsisch-thüringische Orgelgeschichte und kann es wohl auch mit den eigenen Erfahrungen. Doch unterhaltsamer ist, wie hier geschehen, die lebendige Erzählung und die klingende Illustration. So war beim Sonntagstermin zu hören und zu schmunzeln über den einst in fremdem Gotteshaus übenden Gastorganisten, den der Gastgeber versehentlich einen ganzen Tag lang bis zur abendlichen Konzertöffnung in der Kirche eingeschlossen hatte. Oder vom extravaganten und trotzdem erfüllbaren Musikwunsch zur Trauungszeremonie. Oder vom Politikerbesuch in Altenburg mit „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ als geeigneter Vorführmusik, die sich im nachfolgenden Lokalzeitungsbericht freilich in „Alle Vögel sind schon da“ verwandelt hatte. Passt beides schließlich zur selben Melodie – und der politische Besucher hieß auch noch (Bernhard) Vogel, damals Ministerpräsident in Thüringen.

Gleichermaßen heiter bis leicht bewölkt, die Zwischenmusiken, eigentlich lauter Zugabestücke. Etwa das „Concerto pastorale“ (ländliches Konzert) von Johann Peter Kellner (1705-72), in dem nicht bloß Lerche und Kuckuck, sondern auch Gans, Frosch und Unke sich vernehmen ließen. Oder erste Fingerübungen des fünfjährigen Mozart. Oder eine filmmusikalische Einblendung: „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“. Oder vier kleine Präludien, in denen der Bachschüler Johann Ludwig Krebs seinen Meister ebenso wenig verleugnet wie der Krebs-Forscher Felix Friedrich seinen Altenburger Organistenvorgänger.

Flöten- und Streicherklänge

Die Trost-Orgel dort besticht klanglich durch die farbenreichen Labialstimmen, also die Flöten- und Streichercharakteristik. Sie fand Friedrich auch an der Hersfelder Bach-Orgel vor und wusste sie geschmeidig, koloristisch und fantasievoll zu erwecken. Zwei altfranzösische Tänze von Claude Gervaise (16. Jahrhundert) waren der Dank für den Applaus der nicht wenigen Zuhörer.

Von Siegfried Weyh

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