Das Saxophon der Bad Hersfelder Festspiele – Wolfgang-Schmidtke-Trio im Grebekeller

Gäste doppelt privilegiert

Wolfgang Schmidtke (links) spielte Saxophon und Bassklarinette im Wechsel. Gunnar Plümer (Mitte) und Dirk-Peter Kölsch komplettierten das hochkarätige Trio. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Wolfgang Schmidtke, Gunnar Plümer und Dirk-Peter Kölsch wurden vor ihrem Konzert gewarnt, dass eventuell nicht jeder Gast permanenter Jazz-Hörer sei. Kein Grund für das Wolfgang-Schmidtke-Trio, einen Gang runter zu schalten.

Wolfgang Schmidtke, seit 2010 dem Bad Hersfelder Publikum als Musiker und Komponist der Festspiele bekannt, gastierte am Donnerstag einmalig mit seinen hochkarätigen Kollegen aus der professionellen Jazzszene im voll besetzten Grebekeller. Holk Freytag ließ sich als Intendant und bekennender Jazzliebhaber das Konzert natürlich nicht entgehen. Gastgeber Götz Geißler begrüßte die Gäste und versicherte, dass sie alle doppelt privilegiert seien. Zum einen gehörten sie zu denen, die nicht erkrankt sind und zum anderen kämen sie in den Genuss, ein Spitzentrio der deutschen Jazzmusik zu erleben. „Ich arbeitete häufig mit neuen Besetzungen“, erläuterte Schmidtke.

Alles, was gut klingt

Gunnar Plümer, Kontrabassist des Modern Jazz, lernte er bereits vor ungefähr 30 Jahren kennen. Plümer begeistert mit seinem musikalisch und klanglich sehr eigenständigen Spiel sein Publikum und die Fachwelt gleichermaßen. Den Jazzschlagzeuger Dirk-Peter Kölsch hat Schmidtke vor der Zusammenarbeit nur einmal auf der Bühne erlebt. Er nutzt alles, „was gut klingt und nicht wegläuft“, Gummihühner und Stempel gehören dazu. Ein impulsgebender Schlagzeuger, der mit seiner unkonventionellen Art der Klanggestaltung auch auf großen Bühnen zuhause ist.

Bei der Zusammenstellung des Programms haben die drei Ausnahmemusiker nach alten Stücken gegraben. Daraus entstand eine Hommage unter anderem an den US-amerikanischen Bassisten Barre Philipps und den Jazzsaxophonisten Gerd Dudek, allesamt Meister ihres Fachs.

Im Jahr 1998 inszenierte Holk Freytag im Schauspielhaus Wuppertal „Ein Sommernachtstraum“, der mit Jazzkompositionen von Wolfgang Schmidtke bereichert wurde. „Auf die Ebene von Liebespaaren kann ich mich sehr schlecht einstellen“, schmunzelte Schmidtke und gewährte den Hörgenuss seiner Komposition zum wiederholten Male dem Intendanten – dem Bad Hersfelder Publikum erstmalig.

Pubertät im Schützenverein

Eine weitere Komposition des Saxophonisten ist „Im Land der tausend Berge“, gewidmet den Bergen im Sauerland. „Dieses Stück ist ein typisches Beispiel dafür, wenn man die prägende Pubertät im Schützenverein verbringt“, scherzte Schmidtke in Bestform. Jazzkompositionen, die geeignet sind, Weihnachten alleine zu verbringen, und friedlichere Stücke im Wechsel, verbunden mit genialer Präsentation voller Hingabe, wurden mit viel Applaus bedacht von den Jazzliebhabern und denen, die sich von der Energie und dem Können der Jazzmusiker mitreißen ließen.

Von Gudrun Schmidl

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