Von Vuvuzelas und Schweinsteigers Maskottchen - Siegfried Streckhardt war bei der WM in Südafrika

Gänsehaut garantiert

Public Viewing: Grün-gelbes Farbenmeer.

Bad Hersfeld / Südafrika. Wer kann schon von sich behaupten, dass er Mal in einer Reihe mit den deutschen Fußballnationalspielern gestanden hat? Siegfried Streckhardt aus Bad Hersfeld kann. Zumindest beim Einchecken vor dem Flug von Frankfurt zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Sogar mit Jogi Löw und Bastian Schweinsteiger hat sich Streckhardt unterhalten. Über spielbeeinflussende Dinge.

Wegen eines kleinen Interviews für den Radiosender FFH nämlich, bei dem der Versicherungsfachmann die Reise gewonnen hatte, stand er plötzlich Bastian Schweinsteiger gegenüber. „Ich fragte ihn nach seinem WM-Maskottchen, aber er antwortete nur, dass sein Maskottchen sehr privat sei und schmunzelte“, verrät Siegfried Streckhardt. Das war während des letzten Trainingsspiels von Jogis Jungs in Frankfurt.

Einige Tage später waren die Spieler wieder zum Greifen nah: Als sie nämlich gemeinsam in den Airbus stiegen, um nach Südafrika zu fliegen. „Unsere Jungs marschierten gut gekleidet im DFB-Ausgeh-Anzug an uns vorbei zum Einchecken und mussten Schlange stehen“, sagt Streckhardt. Da haben er und die anderen Gewinner keine Zeit mehr verloren und die Fußballer nach Autogrammen gefragt, die ihre Deutschland-Trikots vervollständigten. Seine Brust habe er danach noch etwas mehr gereckt.

Im Vuvuzela-Land

Während hierzulande einige Fußballfans schon das Vuvuzela-Getröte aus dem Fernseher nervtötend finden, hat Siegfried Streckhardt in Südafrika während des Vuvuzela-Day auf dem Nelson-Mandela-Platz in Pretoria erfahren, wie es wirklich ist. „Ein Farbenmeer und eine für uns alle neuartige Geräuschkulisse prasselten als Eindrücke auf uns ein. Jeder nahm jeden in den Arm, wir lachten zusammen mit den Einheimischen und ließen uns mit allen und jedem gerne fotografieren.“ Das habe ihn stark beeindruckt. Noch mehr berührt habe ihn nur ein Besuch in den Slums der Stadt, bei dem die so arg geballte Armut sehr „erschreckend“ gewesen sei: „Mein persönliches Glücksgefühl erhielt ich dort von vier spielenden Kindern, denen ich eine Tüte Gummibärchen schenkte. Dieses dankbare Lächeln der Kindern hat sich tiefer bei mir eingeprägt als es ein Tattoo jemals könnte“, schildert Streckhardt.

Ein Gefühl, dass ihm die Härchen auf den Armen aufstellte, durchfuhr den 44-Jährigen dann auch beim Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft, bei dem Südafrika gegen Mexiko antrat: „Der ganze Public-Viewing-Platz leuchtete in grün-gelb, den Trikotfarben Südafrikas. Als dann die Nationalhymne von Südafrika gespielt wurde, sangen alle mit und standen ausnahmslos auf. Dann hörte man nur noch sehr wenig, da die Vuvuzelas die akustische Macht übernahmen.“

Alles Schwarz-Rot-Gold

Der Höhepunkt der Reise war schließlich, neben den tierischen Abenteuern auf einer Safari, das erste Spiel der Deutschen gegen Australien. Doch schon vorher hatte die Gewinner-Truppe um Siegfried Streckhardt ihren Spaß. Als er nämlich den anderen mitgereisten Deutschen in einem kleinen Lokal farbige Flaggen auf die Wangen malte, wollten plötzlich alle Leute dort eine: Afrikaner, Inder, sogar Australier, „die wussten wohl schon, wie das Spiel enden wird“, sagt Streckhardt. Und fügt hinzu: „Die Stimmung im Stadion beim Spiel und die Atmosphäre waren so irre, dass ich mich zwicken lassen musste, um zu glauben, dass alles echt ist.“

Das jüngste Spiel der Deutschen, dass sie gegen die spanische Elf verloren haben, hat Streckhardt wieder in Bad Hersfeld gesehen. „Die bessere Mannschaft hat gewonnen. Die Spanier waren stärker, aber unsere Jungs haben eine tolle WM gespielt“, sagt er.

Von Judith Strecker

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