Konzert mit Hannes Wader in der Bad Hersfelder Stadthalle

Futter für Herz und Hirn

Ein Mann, eine Gitarre, ein Notenständer, ein Mikrophon: Hannes Wader begeisterte in der Bad Hersfelder Stadthalle mit intelligenten Texten, und variantenreichem Gitarrenspiel und verzichtete auf eine große Bühnenshow. Foto: Janßen

Bad Hersfeld. Eine musikalische Reise durch Zeit und Raum voller Sprachwitz und poetischer Bilder, mit Futter für Herz und Hirn – dass Hannes Wader der „Altmeister“ der Liedermacher sein Publikum immer noch mitreißen und faszinieren kann, zeigte sich nicht erst am Schluss des Konzerts in der Stadthalle, als das Publikum dem Künstler im Stehen zujubelte.

Dabei war der Auftritt an sich völlig unprätentiös und puristisch: Ein Mann, eine Gitarre, ein Notenständer und ein Mikrophon, das reichte völlig aus. Hannes Wader brauchte weder raffinierte Lichteffekte noch eine voluminöse Begleitband oder überbordende technische Effekte. Er fesselte sein Publikum durch eine musikalisch überzeugende Darbietung und eine wunderbar zusammengestellte Mischung aus alten und neuen Stücken.

Wie ein roter Faden zog sich dabei das Motiv der Reise durch das Programm: Der Beginn mit dem Klassiker „Heute hier, morgen dort“, dazu Lieder aus Irland, Schweden, Griechenland und von der Lebensreise des Unterschicht-Jungen aus Bielefeld, der als Sänger Karriere in der „freien Wirtschaft“ machte.

Ironie und Sprachwitz

Wader sang von dämmrigen Hotels, in denen man besser nicht schlafen sollte und von der Liebe, die die Herzen füreinander und jedes auch für sich schlagen lässt. Bemerkenswert waren dabei vor allem die leise, fein geschliffene Ironie und der Sprachwitz, der viele seiner Texte auszeichnet und der schon alleine genaues Hinhören so lohnend macht.

Ob er von seinem Onkel, dem Pförtner in der Backpulverfabrik, oder von den schönheitsverrückten Damen erzählt, denen die subkutane Unterschicht durch die glatt gebügelte Oberfläche schimmert, er hatte etwas zu sagen. Und Wader tat das völlig unangestrengt und mit viel Lebensklugheit. Da stand keiner auf der Bühne, der von maßlosem Ehrgeiz getrieben war und der meinte, sich um der Karriere willen verbiegen zu müssen, sondern einer dem die Freude an der Musik deutlich anzumerken war.

Wader brillierte auch durch sein rhythmisch variantenreiches und musikalisch anspruchsvolles Gitarrenspiel, das nichts zu wünschen übrig ließ. Stilistisch reichte das Spektrum vom griechischen Lied über einen autobiographischen Talking Blues, eine berührende Hommage an den französischen Chansonnier Georges Brassens bis hin zu politischen Liedern wie dem aus der Zeit der 1848er Revolution stammenden „Bürgerlied“ und der Hymne der Friedensbewegung „Traum vom Frieden“, die sich auch nach mehr als 30 Jahren als beklemmend aktuell erwies. Sehr handfest dazwischen ein Lied des spätbarocken schwedischen Liederdichters Carl Mikael Bellman, dessen wesentliche Themen Wader mit den Schlagworten „Liebe, Tod und Schnaps“ knapp und sehr treffend umriss.

Licht und Hitze im Herzen

Ja, Hannes Wader hat sie noch: Licht und Hitze im Herzen, die er im „Bürgerlied“ besang. Nach knapp zwei Stunden und drei Zugaben endete das Konzert mit dem gemeinsam gesungenen „Sag mir, wo die Blumen sind“, das sicher bei vielen Zuhörern noch auf dem Nachhauseweg nachklang.

Von Ute Janßen

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