Hohe Erwartungen an den Besuch von Benedikt XVI. – Heiderich: Hohe Kosten sind Preis der Freiheit

Futter für geistige Fundamente

Auf dem Domplatz in Erfurt wird die Altarbühne für den Gottesdienst am 24. September aufgebaut. Die 18 Meter hohe, 16 Meter tiefe und 25 Meter breite Bühne wird dem Grundriss des Hohen Chors des Mariendoms (im Hintergrund) nachempfunden. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Papst-Pilger müssen früh aufstehen. Schon um 3 Uhr rollt am Sonnabendmorgen der Bus des Pastoralverbunds Hersfeld-Rotenburg Richtung Erfurt. Trotz des zu erwartenden langen und anstrengenden Tages war nach Auskunft der katholischen Kirche die Nachfrage nach Tickets größer als das verfügbare Kontingent, denn der Platz vor dem Erfurter Dom ist begrenzt.

„Die Begegnung mit dem 265. Petrus ist etwas besonders und ein Verweis auf die reale Geschichte“, erklärt der katholische Pfarrer Bernhard Schiller von der Bad Hersfelder Lullus und Sturmius Gemeinde die Faszination des Heiligen Vaters.

Der Papstbesuch steht unter dem Motto: Wo Gott ist, da ist Zukunft – davon könne man sich in verschiedenen Dimensionen anregen lassen. Schiller wünscht sich vom Papst, dass er seinen eingeschlagenen Kurs einer erneuerten Authentizität der katholischen Kirche beibehält.

Rund 25 Millionen Euro kostet die katholische Kirche die Deutschlandreise des Papstes. Hinzu kommen weiter rund 20 Millionen Euro, die die Länder tragen müssen. „Geld darf natürlich nicht verpulvert werden“, meint Pfarrer Schiller, „aber als Investition in die geistige Grundlage der Gesellschaft ist die Ausgabe zu rechtfertigen.“

Als „Preis der Freiheit“ bezeichnet der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich die Kosten, die vor allem aus den hohen Sicherheitsvorkehrungen rund um den Papstbesuch resultieren. Doch auch Heiderich hält dieses Geld für gut angelegt. Obwohl er selbst evangelisch ist, hat er sich für die Messe in Erfurt angemeldet. „Wer, wie der Papst, hunderttausende Besucher anzieht, den kann man sich ruhig anhören“. Das gelte für ihn als Christdemokraten natürlich auch für die Rede im Bundestag. „Der Papst steht für christliche Grundwerte“. Heiderich fühlt sich sogar an den Besuch des Friedennobelpreisträges Nelson Mandela erinnert, der ebenfalls im Bundestag gesprochen hat.

Auch für den SPD-Abgeordneten Michael Roth ist der Papst eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Dennoch hält er als überzeugter Protestant den Bundestag nicht für den geeigneten Ort für Ökumene. Gleichwohl erwarte er vom Papst klare Worte zu den Auswüchsen der Globalisierung und dem Raubtierkapitalismus. Deshalb kritisiert er auch den Boykott-Aufruf einiger linker Abgeordneter.

Gleichwohl meint Roth, Bundestagspräsident Lammert hätte die Einladung vorher mit den zuständigen Gremien abstimmen sollen. Die Kostendebatte ist laut Roth eine „kleinkarierte Diskussion“. Dies sei der Preis, „den wir für eine unsicher gewordene Welt zahlen müssen.“

Von Kai A. Struthoff

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