Am Fuße des Berges

Karl Schönholtz

Die Wahl ist gewonnen, doch für die neue Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Bad Hersfeld geht die Arbeit jetzt erst richtig los. Es gibt nämlich Stimmen, die nicht mehr nur von zwei Lagern sprechen, sondern von einem tiefen Graben, der die Partei spaltet. Vielleicht war auch deshalb die Presse zu dieser Versammlung nicht eingeladen. Und vielleicht versuchte sich Silvia Schoenemann genau deshalb in ihren ersten Äußerungen in der neuen Position des Eindrucks zu erwehren, sie stünde im Gegensatz zum selbst erklärten Erneuerer Ralph Habener für ein „Weiter so“. Tatsächlich scheint es ihre erste und wohl auch schwierigste Aufgabe zu sein, einen überzeugenden Neustart hinzubekommen, der auch die Zweifler integriert. Die Zeit dafür ist übrigens nicht schlecht: Auch bei fast allen politischen Mitbewerbern liegt die (personelle) Erneuerung im Argen.

Auch in Heringen befindet man sich in Sachen Hans Ries noch am Fuße des Berges. Zwar sind die ersten Schrittchen hin zu einer Abwahl des bei vielen ungeliebten Bürgermeisters getan und vielleicht gelingen auch die nächsten. Doch dann haben die Heringer selbst das Wort. Und die haben Ries einst nicht nur zu ihrem Bürgermeister gemacht, sondern auch nach sechs Jahren mit deutlichem Votum im Amt bestätigt. Ob der Unmut bei den Wählern am Ende so groß ist, wie es die aufmüpfigen Stadtverordneten gerne hätten, das ist eine Frage, über deren Antwort nur spekuliert werden kann.

Der Ausschuss für Kultur und Bildung der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung macht sich in letzter Zeit durch Inaktivität selbst überflüssig. War die Kultur zuvor ein Anhängsel des Sozialausschusses, so erhielt sie mit dieser Wahlperiode ein eigenes Gremium. Dort wurde anfangs zwar auch nur selten der eigentliche Ausschusszweck verfolgt, der in der Vorbereitung von Beschlüssen des Stadtparlaments liegt, aber immerhin ließ man sich über relevante Themen fachkundig berichten. Mittlerweile findet auch das nicht mehr statt, selbst das umstrittene Thema „Bad Hersfeld liest ein Buch“, bei dem der Magistrat die Empfehlung der Jury kippte, lief am Kulturausschuss vorbei. Ein erster Vorstoß von NBL-Fraktionschef Michael Bock, den zusätzlichen Ausschuss abzuschaffen und die Kultur wieder beim Sozialen unterzubringen, wurde vor Kurzem noch reflexhaft abgebügelt. Wenn sich aber nichts ändert, dann hat Bock beim nächsten Mal die Argumente auf seiner Seite.

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