Public-Viewing in Bad Hersfeld: Tausende Fans bejubeln Sieg

Fußball kann so schön sein

Gebannt: Die Aktionen auf der Leinwand ziehen die Besucher der Public Viewing -Veranstaltungen in ihren Bann.

Bad Hersfeld. Das war die „Revanche für Wembley 1966“, waren sich viele Zuschauer im Bad Hersfelder beim Spiel gegen England einig. Gemeint ist ein Kracher von Frank Lampard, der in Spielminute 38 aus 17 Metern Entfernung den Ball gegen die Lattenunterkante hämmert. Von dort landet dieser überdeutlich hinter (!) der Torlinie. Das Schiedsrichtergespann verweigert den „Three Lions“ den regulären Treffer zum 2:2-Ausgleich. Hätte, wäre, wenn... Der Ball ist so deutlich hinter der Linie, wie er damals, anno 1966, auf der Linie war. „Damit sind wir quitt“, wird später TV-Moderator Waldemar Hartmann in „Waldis WM-Club“ sagen.

Unmittelbar vor dem Anpfiff ist die Stimmung unter den Zuschauern gut, aber noch verhalten positiv. „Deutschland vor, schießt ein Tor“, die Stimmungsmacher versuchen das Publikum zu begeistern. Doch noch ist niemand außer Rand und Band. Als die deutsche Nationalhymne erklingt, erheben sich alle von ihren Sitzplätzen und singen mit. Das Spiel beginnt und gebannt starren hunderte Augenpaare auf die Großbildleinwand. Die deutsche Mannschaft hat mehr vom Spiel und wird nach 20 Minuten erstmals für ihre Bemühungen belohnt.

Miroslav Klose rechtfertigt seinen Einsatz und sorgt für die 1:0-Führung. Die Fußball-Fans im Jahnpark fallen sich in die Arme.

Im Biergarten des Restaurants Ponyhof fiebern die Zuschauer genauso mit, doch erst das 2:0 durch Lukas Podolski sorgt für ausgelassene Stimmung. Vuvuzelas ertönten und die Biergläser - samt Inhalt - werden in Jubelpose nach oben gereckt. Dann aber bange Minuten. Nach dem Anschlusstreffer und dem Beinahe-Ausgleich entsetzte Gesichter, die sich erst mit dem erlösenden Pausenpfiff ein wenig entspannen.

Anspannung pur

Anspannung pur auch bei den Besuchern des Tagebergfestes. Diskussion über das eben Gesehene. Werden die Engländer jetzt mit Wut im Bauch zu einem Sturmlauf ansetzen? Leise Zweifel, ob die deutsche Mannschaft das wird überstehen können. „Ooh“ schallt es durchs Festzelt. Lampard hat einmal mehr Maß genommen - und erneut die Latte erzittern lassen. Die Engländer haben zu diesem Zeitpunkt mehr vom Spiel.

„Die Engländer sind in den letzten Minuten am Drücker“, meint ein Fußball-Fan. Im Bootshaus sind sich die selbst ernannten Fußball-Experten uneinig. „Die Deutschen machen gleich noch einen rein“, kontert ein anderer. Wie Recht er haben sollte. Ein Konter, es müllert vor dem englischen Kasten... „Tooor“. Das erlösende 3:1 durch Thomas Müller.

Ein Blick in die „Summer Cohibar“ gleich nebenan. Soeben ist der Jubel über das 4:1 verklungen. Erneut war Müller, Mann des Spiels, erfolgreich. In der Wiederholung erhält das Team für den gekonnt vorgetragenen Angriff Szenenapplaus. Kurz darauf ertönt schallendes Gelächter als die Fernseh-Kamera englische Fans erfasst. „Ihr könnt nach Hause fahr’n“, skandieren die deutschen Anhänger auf ihren Holzstühlen an der Fulda.

Die Straßen sind unterdessen wie leergefegt. Auch andernorts haben sich Menschen zusammengefunden, um gemeinsam zu feiern. So etwa im SportCafé, wo das Spiel auf großen Monitoren ausgestrahlt wird.

„Drei Tore Vorsprung, das muss es doch sein“, auch hier sind sich die Besucher des Sieges noch nicht ganz sicher. Denn soeben musste Nationaltorwart Manuel Neuer all sein Können aufbieten, um den zweiten (eigentlich dritten) Treffer der Inselkicker zu verhindern.

Fahnen schwenken

Drei Minuten noch im Bloemfontein. Im Jahnpark werden die ersten Fahnen zum Sieg geschwenkt. Ein historischer Sieg wird es werden, denn noch nie hat eine englische Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft so hoch verloren. Zwei Minuten Nachspielzeit, Schlusspfiff, und der Hersfelder Jahnpark versinkt in Jubelgeschrei und Freudentaumel.

Von Mark Sleziona

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