Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg streiken seit einer Woche viele Post-Zusteller

Furcht vor Ausgliederung

Eine Woche im Ausstand: Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind viele Postzusteller im Streik. Sie fordern die Rückführung von 49 neuen Regionalgesellschaften zurück in den Haustarifvertrag der Deutschen Post. Foto: Reymond

Bad Hersfeld. Auch auf den Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat der Poststreik in Hessen Auswirkungen. So werden in vielen Bereichen Briefe und Pakete schon seit Donnerstag vergangener Woche nur unzureichend ausgeliefert. Im Schnitt beteiligen sich mehr als zwanzig Zusteller aus dem Kreis an den Streiks. Gestern Morgen waren es 28 Postmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die sich im Verdi-Büro an der Breitenstraße in Bad Hersfeld zum Ausstand trafen. Über die tatsächlichen Auswirkungen durch den Streik selbst konnten die Streikenden keine Angaben machen. Sicher sei nur, dass die Post hessenweit bereits Ausweichhallen angemietet habe, um die derzeit wegen fehlender Mitarbeiter nicht zustellbaren Pakete zu lagern.

Hintergrund des Tarifkonfliktes bei der Deutschen Post AG ist der Bruch des Vertrages zum Schutz vor Fremdvergabe durch den Aufbau von 49 Regionalgesellschaften für die Zustellung. Um diesen Vertragsbruch zu kompensieren, hatte Verdi zum 1. April die Bestimmungen zur Arbeitszeit gekündigt und fordert eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich.

In der sechsten Verhandlungsrunde vom 2. Juni hatte Verdi mit einem umfassenden Angebot versucht, die Post von einer einvernehmlichen Lösung zu überzeugen und vom Konfliktkurs gegen die Beschäftigten abzubringen. Das Gesamtpaket sah unter anderem eine Rückführung der 49 Regionalgesellschaften (DHL Delivery GmbHs) in den Haustarifvertrag der Deutschen Post AG vor, eine Verlängerung der Schutzregelungen zu Kündigungen und Fremdvergabe.

Die derzeit streikenden Postler befürchten, über kurz oder lang auch in diese neuen Regionalgesellschaften überführt zu werden. „Das ist das Ziel des Konzerns, damit Umsatz und Dividende steigen“, erklärt Zustellerin Waltraud Binnemann. Wenn diese Regionalgesellschaften bei der Paketzustellung funktionierten, würde in einem nächsten Schritt sicherlich auch die Verbundzustellung und dann auch die Briefzustellung in derartige Gesellschaften ausgegliedert, befürchtet Binnemann.

„Not wird ausgenutzt“

Schon jetzt hätten viele Post-Mitarbeiter mit befristeten Verträgen aus Existenzangst den Weg hin zu den Regionalgesellschaften eingeschlagen. „Die bekommen dort weniger Geld, dafür aber unbefristete Verträge. Da wird die Not der Menschen gnadenlos ausgenutzt“, empört sich eine Streikende, die namentlich nicht genannt werden möchte.

In den neuen Gesellschaften werde den Mitarbeitern weniger Stundenlohn gezahlt. Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld gebe es nicht. Ebenso würden Überstunden nicht vergütet. Für die Gleichbehandlung aller Zusteller hätten die Post-Mitarbeiter auf eine eigene Entgelterhöhung verzichtet.

Von Mario Reymond

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