Kreisbrandinspektor Jürgen Weingarten hört auf – Es bleibt viel Zeit für die Hobbys

Funk aus, Kamera an

Helm ab: Kreisbrandinspektor Jürgen Weingarten geht nach 17 Jahren und neun Monaten als oberster Feuerwehrmann des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in den verdienten Ruhestand. Foto: Reymond

Ronshausen. Florian Hersfeld-Rotenburg 01 funkt nicht mehr. Kreisbrandinspektor (KBI) Jürgen Weingarten hat sein Funkgerät schon seit einigen Tagen ausgeschaltet. Er ist im Urlaub. Offiziell scheidet der amtierende KBI zum Ende des Monats aus seinem Amt. Diesen Tag wird er zusammen mit seiner Ehefrau Elke bereits in einem Ferienhaus im Müritz-Nationalpark verbringen.

„In diesen acht Tagen werden wir viel wandern und radeln. Vielleicht bekomme ich meine Frau auch dazu, eine Kanufahrt mit mir zu unternehmen. Das wird aber schwierig, da sie das Wasser nicht mag“, sagt Jürgen Weingarten. Mit im Gepäck wird der leidenschaftliche Natur- und Tierfotograf natürlich seine Kameraausrüstung haben.

Bereits voll im Urlaubsmodus hat der oberste Feuerwehrmann des Landkreises den Schalter auch gedanklich längst umgelegt. Das Thema Kreisbrandinspektor ist für ihn abgeschlossen. „Vor einigen Tagen war meine Frau ganz überrascht, als wir an einem Gerätehaus vorbeigefahren sind und ich nicht nach den Einsatzkräften geschaut habe.“

Weiter aktiv in Ronshausen

Der Feuerwehr wird Jürgen Weingarten aber dennoch verbunden bleiben. „Ich bin noch drei Jahre für die Wehr in Ronshausen aktiv. Dann trete ich der Alters- und Ehrenabteilung bei“. Überhaupt schätzt der scheidende KBI seine Feuerwehren mit den knapp 3500 Aktiven im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. „Das Personal ist top. Aber schon heute ist es in einigen Gemeinden schwierig, tagsüber bei Einsätzen das notwendige Personal zusammenzubekommen. Das wird irgendwann zum Knackpunkt. Ganz wichtig ist es daher die Kinder- und Jugendarbeit zu forcieren. Quereinsteiger wird die Feuerwehr nicht bekommen.“

Aus Weingartens Sicht sei es zudem unerlässlich, mehr Frauen für den Dienst in den Feuerwehren zu begeistern. „Meine Nachfolgerin Tanja Dittmar hat dafür sicher ein gutes Händchen und wird das forcieren, auch über die entsprechenden sozialen Netzwerke.“ Frauen seien bei Einsätzen genauso belastbar wie ihre männlichen Kollegen, glaubt Weingarten. Vielleicht werde es schon bald rund um die Uhr besetzte feuerwehrtechnische Zentralen geben, von denen aus die notwendigen Fahrzeuge an die Einsatzstellen gefahren werden, wo sie dann von dem jeweiligen Personal vor Ort übernommen werden.

Die technischen Voraussetzungen seien jedenfalls gegeben. „Was die Ausrüstung betrifft, stehen unsere Feuerwehren solide da. „Was uns allerdings fehlt ist eine dritte Drehleiter, die im Werratal in Heringen oder in Obersuhl stationiert sein müsste. Die beiden in Rotenburg und Bad Hersfeld sind im Notfall da doch recht weit vom Schuss.

Kinderleichter Digitalfunk

Als unumgänglich bezeichnet Weingarten auch die Einführung des Digitalfunks. „Abgesehen davon, dass er relativ abhörsicher ist, wird er uns viele Vorteile bringen. Die Gespräche sind besser und verständlicher zu führen. Selbst telefonieren kann ich mit dem Funkgerät. Das ist zu bedienen wie ein älteres Nokia-Handy – kinderleicht.“

Von Mario Reymond

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