Anti-Atombewegung im Kreis hat regen Zulauf / Protest in Biblis

Fukushima treibt Ostermarschierer an

Hersfeld-Rotenburg. 25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und unter dem Eindruck des Atomunfalls in Fukushima wächst im Kreis Hersfeld-Rotenburg der Bürgerprotest gegen Atomkraft. Die wöchentlichen Mahnwachen in Bebra und Bad Hersfeld erfahren breiten Zuspruch aus allen Teilen der Bevölkerung. Über 50 Bürger aus dem Kreis fahren am Montag per Bus zur Protestkundgebung in Biblis.

„Es ist wie eine neue Zeit, man spürt Aufbruchsstimmung,“ sagt Michael Held, ein Veteran der örtlichen Friedens- und Anti-Atombewegung. „Wir waren im Kreis lange Zeit eine etwas belächelte Randerscheinung, jetzt merkt man verstärkt Bürgerengagement“, sagt Monika Schmidt, Mitbegründerin des Bad Hersfelder Buchcafés, die sich seit 1979 in der örtlichen Anti-Atombewegung engagiert. Sie bedauere nur, dass ein so schrecklicher Anlass wie Fukushima nötig war, um die Menschen aufzurütteln.

Jeder kann ein Zeichen setzen

Manfred Ringer aus Rotenburg, Lehrer und Mitorganisator der Mahnwache in Bebra, stellt fest: „Das öffentliche Interesse steigt.“ So hat der Arbeitskreis Klimaforum regen Zulauf – „und zwar nicht nur von Leuten, die ohnehin aus dem Anti-Atombewegung kommen“. Ringer betont, dass die angestrebte Energiewende auch konkrete Auswirkungen auf unseren Kreis hat und verweist auf die aktuelle Diskussion um die 380-KV-Leitung Wahle-Mecklar. „Jeder Bürger kann ein Zeichen gegen Atomkraft setzen und problemlos zu Ökostromanbietern wechseln“, macht er klar.

Der Grüne Kreistagsabgeordnete Jörg Althoff, dessen Partei bei der Kommunalwahl im Kreis kräftig zulegte, will sich für eine Energiewende im Kreis einsetzen. Er weiß aber, dass es schwierig sein wird, die derzeitige Anti-Atom-Stimmung aufrechtzuerhalten. Auch Jusos-Chef Pascal Barthel ist skeptisch, ob die Proteste anhalten, wenn Fukushima nicht mehr medial allgegenwärtig ist. „Vor allem das Konkrete zieht.“

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Von Kai A. Struthoff

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