Konzerte und Sessions beim 9. Classic-Jazz-Workshop in Bad Hersfeld

Fünf Tage voller Musik

Dozentenkonzert: (von links) Jan Luley (Klavier), Ulla Keller (Gesang), Thomas L’Etienne (Saxophon), Lindy Huppertsberg (Kontrabass), Monika Marner (Saxophon), Joe Wulf (Posaune), Sven Hack (Klarinette), Christian Rien (Trompete). Dazu verdeckt: Michael Ehret (Schlagzeug), Roman Klöcker (Gitarre, Banjo).

Bad Hersfeld. Bereits zum neunten Mal hat Jan Luley in Kooperation mit der Kreismusikschule und dem Buchcafé seinen Classic-Jazz-Workshop veranstaltet, diesmal mit neun Dozenten der deutschen und internationalen Jazz-Oberschicht. Angeboten wurden Kurse für Klavier, Saxophon, Kontrabass, Posaune, Klarinette, Trompete, Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Im Mittelpunkt stand dabei die freie Improvisation in klassischen jazztypischen Stilen von New Orleans bis Swing.

Den „Kickoff“ bildete ein Konzert, bei dem die Lehrer den fast 70 Teilnehmern und einem großen Publikum vielfältige Proben ihrer Kunst demonstrierten. Die Zusammensetzung dieser Band ist einzigartig. Bandleader spielen neben Solisten, darunter so berühmte Namen wie der Saxophonist und Klarinettist Thomas L’Etienne, der auf allen Jazzfestivals der Welt zu Hause ist und in Hamburg und Rio de Janeiro lebt. Ulla Keller ist eine energiegeladene Sängerin aus Marburg, die nicht nur im Jazz unterwegs ist, sondern auch in den Bereichen Musical, Chanson und Renaissancemusik Konzerte gibt. Joe Wulf ist einer der renommiertesten deutschen Jazz-Posaunisten und lehrt im Fachbereich Jazz an der Hochschule für Musik in Köln.

Die Teilnehmer absolvierten ein straffes Tagesprogramm jeweils von 10 bis 19 Uhr, das am Vormittag mit rhythmischem Aufwärmtraining begann und in Satzproben und Improvisationsübungen fortgesetzt wurde. Nachmittags wurde in Bandbesetzung trainiert und abends konnte das Erlernte auf der Bühne des Buchcafés in Sessions einem interessierten Publikum vorgestellt werden.

Ganzheitlicher Ansatz

Jan Luley verfolgt in seinem Classic-Jazz-Workshop einen ganzheitlichen Ansatz und geht über das reine Musikmachen hinaus. Die Kursteilnehmer erwerben auch wichtige Kenntnisse in Harmonielehre, Gehörbildung und Arrangieren. Außerdem bekommen sie wertvolle Tipps zum Musikbusiness und zur Bühnenpräsenz.

Letzteres war dann im abschließenden Teilnehmerkonzert am 6. Januar zu bewundern. Im vollbesetzten Buchcafé stellten sieben Workshopbands und ein 16-köpfiges Vokalensemble einem zum Teil extra angereisten Publikum das Ergebnis ihrer Probenarbeit in einer bunten Musikmischung, angesiedelt zwischen New Orleans Jazz, Swing, Blues und brasilianischen Rhythmen vor. Dabei erklangen Klassiker wie „It Don’t Mean a Thing“, der „C-Jam Blues“ und „Sing, sing, sing“ neben weniger bekannten Titeln in abwechslungsreichen, teils experimentellen selbst erarbeiteten und frischen Arrangements.

Fantasievolle Namen

Alle Teilnehmer stellten sich solistisch vor, alle Ensembles hatten sich fantasievolle Namen gegeben. So trat die „Swinging Pool Jazzband“ neben den „Five Generations Stompers“ (Altersspanne von acht bis 78 Jahre!) und der Band „Abacaxi“ (portugiesisch für „Durcheinander“ oder „Ananas“) auf. Moritz Bernardi, mit elf Jahren der zweitjüngste Teilnehmer des Workshops, sagte: „Ich fand es toll, dass ich improvisieren gelernt habe. Im nächsten Jahr komme ich bestimmt wieder.“ Die Sängerin Daniela Kulks bedankte sich im Namen aller bei den Dozenten für „punktgenaue Rückmeldungen und die einfühlsame Art des Unterrichts“.

Bis spät in die Nacht dauerte die abschließende Session mit zum Teil abenteuerlichen (vier Kontrabässe, neun Posaunen), aber immer reizvollen Besetzungen.

Von Helgo Hahn

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