Frühlingserwachen und Polit-Getrommel

Kai A. Struthoff

Frühlingserwachen! Endlich scheint dieser Ewig-Winter vorüber zu gehen. Die Gärtner scharren ungeduldig mit ihren Harken und Hacken. Und in der Stiftsruine nimmt die Bühne für die neue Festspielzeit langsam Gestalt an. Frühlingsluft wittert offenbar auch eine neue „Alternative für Deutschland“, ein rechts-konservatives Bündnis um den ehemaligen BDI-Chef Hans-Olaf Henkel.

Die Truppe, der die CDU schon lange „zu sozialdemokratisch“ ist, will vor allem den Euro abschaffen. Und mittenmang ein alter Bekannter aus unsere Region: Heiner Hofsommer aus Friedlos, der sich schon des Öfteren vom rechten Rand zu Wort gemeldet hat, gehört zu den rund 7000 Gründungsmitgliedern der Alternative, die im Herbst in den Bundestag einziehen will. Die Welt am Sonntag widmet der Gründungsversammlung eine ganze Seite. Genüsslich wird dort die „feurige Einstandsrede“ Hofsommers zitiert: „Die Zeiten von Mutlosigkeit, Feigheit und Scheu sind vorbei. Jetzt brechen alle Dämme, vorwärts und aufwärts mit der Alternative“. Irgendwie kommt einem diese Rhetorik bekannt vor. Das „dröhnende“ Polit-Getrommel Hofsommers blieb dort aber wohl die Ausnahme.

Taten statt Trommeln wollen indes die Schüler der Geistalschule sprechen lassen. Am Mittwoch schnüren sie ihre Turnschuhe, um auf dem Linggplatz bei einem Sponsorenlauf Geld für ein SOS-Kinderdorf in Liberia zu sammeln. In der vergangenen Woche war der Spiegel-Bestsellerautor Michael Jentzsch in der Stadt und hat über seine Erlebnisse in dem bitterarmen, vom Bürgerkrieg verheerten Land berichtet. Mucksmäuschenstill war es in der Aula, als er vortrug. Da sag noch einer, die Generation „Facebook“ wäre nicht begeisterungsfähig und engagiert. Es kommt halt auf die richtige Ansprache an.

Ich bin gespannt, ob der bislang eher als „Problem-Peer“ bekannte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück denn die richtigen Worte finden wird, wenn er am übernächsten Montag Amazon in Bad Hersfeld besucht. Immerhin gibt es einigen Erklärungsbedarf, denn die Sozialdemokraten hatten weiland mit ihrer Agenda 2010 Tür und Tor für für viele der arbeitsmarkt-politischen Fragwürdigkeiten geöffnet, die jetzt so sehr in der Kritik stehen. Auf jeden Fall ist es ein toller Erfolg für unseren SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth, den Kanzlerkandidaten zu uns zu lotsen. Wer weiß, vielleicht kommt ja nun auch noch Angela Merkel bei uns vorbei. Der Wahlkampf ist lang, und im politischen Frühling darf man noch träumen.

Noch ist der Frühling aber eben nicht so ganz da. Ein eisiger Wind wehte in Eiterfeld. Dort ist Oskar Ruhl (FWG) als Vorsitzender der Gemeindevertretung zurückgetreten, nachdem er unter anderem von seinem eigenen Parteikollegen Stefan Dietrich heftig kritisiert worden war. Dass dieser sich mit seinem wenig taktvollen Benehmen dann auch noch den Zorn der politischen Konkurrenz zuzog, hilft dem Klima im Gemeindeparlament wenig. Aber wenn der Frühling kommt, beruhigen sich sicher auch dort die Gemüter wieder.

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