Frühling fühlen

Elke Henning, Pfarrerin der Eichhofgemeinde und im Altenzentrum Hospital

Du öffnest das Fenster. Alle Frühlinge kommen herein mit diesem.“ (Hilde Domin)

Du öffnest das Fenster. Alle Frühlinge kommen herein mit diesem.“ (Hilde Domin)

Lässt dieses kleine Gedicht auch in Ihnen etwas zum Klingen bringen? Heute, wo im Kalender Frühlingsanfang steht, und wir uns nach einem langen und schneereichen Winter sehnen nach hellen und wärmeren Tagen, frischem Grün, aufspringenden Knospen und neuer Lebendigkeit. Manche können sich regelrecht in den Wundern der aufwachenden Natur verlieren. Manche möchten sich mit ihren Gefühlen auf den Weg zu einem Menschen machen, sich verlieben.

Sich verlieren, sich verlieben. „Unsere Sprache ist ja oft klüger als wir. Worte wie sich versenken, sich verlieren, sich verlieben – das sind alles Tätigkeiten, bei denen wir vom Ich weggehen. Wir machen uns auf einen anderen Weg. Wir betrachten uns nicht im Spiegel....“

Diese Zeilen lese ich bei Dorothee Sölle und denke: Nein, im Spiegel betrachtet hat sich Jesus gewiss nicht. Aber auf den Weg gemacht hat er sich. Auf den Weg zum anderen. Und immer ging es ihm darum, Leben zu ermöglichen, einen Menschen in seiner Seele zu beflügeln und zu spüren, wonach er sich im Tiefsten sehnt. Warum ist dieser Mensch so unzufrieden? Worunter leidet er? Wonach sehnt er sich? Was täte ihm gut?

Leben ermöglichen und für das Leben eintreten, auch wenn der Preis manchmal hoch ist. Menschen helfen, ihre Lebendigkeit zu erfahren, Leben aus ihnen hervorzulocken. Jesus nennt das „Dienen“. Im Wochenspruch für die kommende Woche heißt es: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Mt 20.28)

Dem Leben dienen und Leben in den Menschen hervorlocken. Auch in mir selbst. Da hält der Frühling Einzug!

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