HZ-Wochenendportrait: Marlene Lichtenberg, Gewinnerin des Hersfelder Opernpreises

Die frühere Musiklehrerin

Nahm die Auszeichnung während des Festaktes in der Ruine strahlend entgegen: Marlene Lichtenberg. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Marlene Lichtenbergs Karriere als Opernsängerin hat im Kirchenchor ihrer südtiroler Heimat Latzfons begonnen. In der Stiftsruine ist sie jetzt mit dem Opernpreis für ihre Interpretation der Fenena, der Tochter Nabuccos in der gleichnamigen Oper, ausgezeichnet worden.

Entdeckt hat Lichtenberg der deutsche Dirigent Fritz Weisse, der die damalige Kirchenchorleiterin singen hörte und dazu riet, ihr Talent auszubauen. „Mit 21 Jahren habe ich mein Gesangsstudium in Salzburg und dem tschechischen Brünn aufgenommen, eigentlich sehr spät“, sagt Lichtenberg und lächelt schüchtern. Das Wegziehen aus der Heimat sei ihr mit der Unterstützung der Familie nicht schwer gefallen. „Zweimal war ich in den Sommermonaten in Afrika, um soziale Projekte im Bereich Agrarwirtschaft zu unterstützen und mit Schwerbehinderten zu arbeiten. Heimweh war also auch kein Problem.“

Debüt erst vor drei Jahren

Für die Karriere als Opernsängerin hat Lichtenberg ihren Beruf als Grundschullehrerin aufgegeben. „Musik war schon immer meine Leidenschaft, dieses Fach habe ich auch unterrichtet.“

Ihr Operndebüt gab die Mezzosopranistin erst vor drei Jahren, im Sommer 2007 beim Opernfestival im schweizerischen Avenches. Mit dem Gesangsunterricht ging es auch seitdem weiter, „denn man ist ja auf der ständigen Suche nach Verbesserung. Kontrolle von außen ist da genauso wichtig wie Kritik, die ich gerne annehme, um an mir zu arbeiten.“

„So lange die Liebe zum Gesang stimmt, lassen sich viele Opfer bringen.

Marlene Lichtenberg

Über den Opernpreis habe sie sich sehr gefreut, „an so einem fast magischen Ort wie der Stiftsruine ein so großes Geschenk zu bekommen, ist ganz, ganz toll.“ Ihre Engagements haben Lichtenberg bisher unter anderem in das italienische Catania und das tschechische Liberec geführt. „Natürlich ist es anstrengend, immer den Ort zu wechseln. Mein Partner und meine Familie reisen mir zum Glück gerne nach. So lange die Liebe zum Gesang stimmt, lassen sich viele Opfer bringen und Einschränkungen hinnehmen.“ Wichtig ist auch der Kontakt zu den Freunden, den sie unterwegs mithilfe des Internets hält.

Wechsel nach Cottbus

Am Mittwoch spielt die Sängern zum vorerst letzten Mal bei Nabucco in Bad Hersfeld mit. „Die Rolle der Fenena gefällt mir, denn sie ist eine Persönlichkeit, die bereit ist, für die Liebe viel zu geben.“ Nach den Opernfestspielen tritt Lichtenberg ein zweijähriges Festengagement in Cottbus an. „Auf diese neue Erfahrung freue ich mich nach der Zeit als freie Künstlerin besonders.“

Von Sonja Broy

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