Mädchen aus Bad Hersfeld wird Jahresende möglicherweise nicht mehr erleben

Vierjährige Aliana kämpft nach Masern um ihr Leben

Papa Suvarez Iljaz hält seine kranke Tochter im Arm. Ärzte fordern junge Frauen vor einer Schwangerschaft zur Masernimpfung auf.

Bad Hersfeld. Kinderkrankheit – das klingt fast niedlich. Doch Masern sind gefährlich. Vor allem in den 1970er- und 80er-Jahren wurde oft unzureichend geimpft. Die Folgen bekommt die kleine Aliana aus Bad Hersfeld zu spüren. Die Vierjährige kämpft um ihr Leben, wird aber sterben.

„Der Verfall ist erschreckend rasant. Das Kind wird das Jahresende möglicherweise nicht mehr erleben“, sagt der Bad Hersfelder Kinderarzt Georg J. Witte, der das kleine Mädchen betreut. Die Ursache für die unheilbare Krankheit, an der Aliana leidet: Masern.

„Aliana war ein fröhliches Kind“, sagt ihre Mutter Mirella Kunzmann mit Tränen in den Augen. Das Mädchen sprang viel herum und lachte. Doch mit vier Jahren nickt Aliana plötzlich häufiger beim Essen mit dem Kopf weg, Sekundenschlaf nennt es ihre Mutter. Dann wird das Mädchen vergesslich und fällt immer öfter hin. Die Diagnose: die chronische Maserngehirnentzündung SSPE. Die Krankheit ist eine Spätfolge einer Maserninfektion und verläuft immer tödlich.

In einem von 150 bis 300 Fällen besteht nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland bei Säuglingen das Risiko, dass nach Masern später diese tödliche Spätkomplikation auftritt. Laut Robert-Koch-Institut haben sich 2013 bundesweit 86 Säuglinge mit Masern angesteckt, 19 bislang in diesem Jahr. In Hessen waren zuletzt 2011 neun unter einem Jahr alte Kinder mit Masern infiziert. Da die ansteckende Krankheit aber nicht immer – wie auch bei Aliana – erkannt wird, könnte die Dunkelziffer höher sein.

Mittlerweile kann Aliana weder stehen noch sitzen, sie spricht nicht mehr und wird über eine Sonde ernährt. „Wir wussten nicht, dass Masern so gefährlich sein können“, sagt Kunzmann. Hätte sie selbst Masern gehabt oder wäre geimpft gewesen, wäre ihrer Tochter wohl nichts passiert. Doch die 27-Jährige ist durchs Raster gefallen, als in den 1970er- und 80er-Jahren zum Teil nur unzureichend geimpft wurde – oder aber gar nicht, weil die Masern-Infektionen deutlich zurückgegangen waren. Denn nur Mütter mit Antikörpern können ihren Kindern den sogenannten Nestschutz mitgeben, der das Neugeborene in den ersten Monaten schützt. Geimpft werden Kinder in der Regel ab dem elften Lebensmonat. Aliana hatte offenbar unbemerkt mit drei Monaten die hochansteckenden Masern bekommen. Ihre Eltern haben nun die Facebook-Seite „SSPE-ALIANA kämpft um ihr Leben“ eröffnet, um aufzuklären und anderen Betroffenen zu helfen. (Timo Lindemann/dpa)

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