Kinderstation des Klinikums zieht ins neue Bettenhaus Ost – Mehr Platz für Säuglinge

Die Frühchen sind die Ersten

Soll die kleinen Patienten ablenken und aufmuntern: Stationspuppe Lucy.

Bad Hersfeld. „Sind die Fernseher schon drin?“, will die neunjährige Evelina wissen. Neben ihrem gepackten Koffer sitzt das kleine Mädchen auf dem Bett ihres Krankenzimmers im Bad Hersfelder Klinikum. Doch nach Hause geht es noch nicht.

Evelina und ihre Zimmergenossin Julia warten darauf, in eines der Zimmer im neuen Bettenhaus Ost verlegt zu werden. Mit ihnen zieht die gesamte Kinder- und Säuglingsstation in den kürzlich eingeweihten Gebäudeteil um.

Eine Stunde vor dem Umzug werkeln in den Gängen der neuen Station noch etliche Handwerker, verlegen Kabel und montieren Behälter für Sterilium an den Wänden. Da drängt sich auch Evelinas zweite Sorge auf: „Stinkt es da noch nach Farbe?“

„Kein Vergleich zu vorher“

Nach über zwei Jahren Planung ist Astrid Hargesheimer, Leiterin der Säuglingsintensivstation, einfach froh, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. Ihre Station wird mit der Kinder- und Säuglingsstation zusammengelegt. Zwei Frühchen in ihren Brutkästen sind die ersten Patienten, die in einem neuen Intensivpflegezimmer untergekommen sind.

Behält den Überblick: Elektriker Peter Seelos meistert den Kabelsalat problemlos. Wie bei einem Babyphon können die Schwestern künftig die Patienten der neuen Kinder- und Säuglingsstation zentral überwachen. Fotos:  Deppe

Dort wird durch besondere Schalldämmung und mithilfe abgedunkelter Farblichter eine Atmosphäre geschaffen, die der im Mutterleib ähneln soll. „Das ist kein Vergleich zu vorher, als wir bis zu acht Säuglinge in einem Raum hatten, von denen häufig noch mehrere gleichzeitig gestillt werden mussten. In den neuen, größeren Räumen wird da deutlich mehr Ruhe einkehren“, sagt Karin Otto-Lange, Pflegedirektorin des Klinikums.

In dieser Woche herrschte auf der Station allerdings noch ein reges Treiben. Sieben Schwestern sind seit Montag bis zu zehn Stunden täglich mit den Einräumarbeiten beschäftigt. Silvia Selimi, Leiterin der Kinderstation, kann die Kilometer, die sie dabei gelaufen ist nicht mehr zählen. Mehrere hundert Transportwagen haben sie und ihre Kolleginnen aus dem fünften Stock des Bettenhauses West in die zweite Etage des Bettenhauses Ost gefahren.

Damit alles seinen vorherbestimmten Platz findet, haben die Schwestern Dutzende kleiner Zettel an Schranktüren und Schubladen geklebt. Zwischen Medikamenten und Spritzen ist da von Butterkeksen und Salzstangen zu lesen.

Zur Ablenkung und Aufmunterung ist auch Stationspuppe Lucy schon da. Sie durfte im Gegensatz zu den kleinen Patienten bereits auf der neuen Station übernachten.

Gerade im Bereich der Kinder- und Säuglingspflege ist der Bedarf an Pflegematerial besonders hoch. Während es für Erwachsene bei OP-Kleidung und medizinischen Instrumenten meist Einheitsgrößen gibt, müssen für die neue Station selbst die Babyschnuller in verschiedenen Größen vorhanden sein. Gleiches gilt für Windeln und andere Kleidungsstücke. Und so unterstützten am letzten Tag die Auszubildenden der Kinderkrankenpflege die Schwestern, die in der heißen Phase des Umzugs ihrem alltäglichen Pflegedienst nicht noch zusätzlich nachkommen konnten. Pflegedienstleiterin Eva Fehr freut sich über das rege Treiben auf den Gängen: „Es ist schön zu sehen, wie hier alle miteinander arbeiten. Mitarbeiter aus der EDV, das Putzpersonal und die Schwestern – alle helfen mit.“

Umzug dauert an

Ein Ende der Umzugsarbeiten ist erst einmal nicht abzusehen. Da die Station nach weiteren Sanierungen auch auf das Bettenhaus Mitte ausgedehnt werden soll, sind einige der Patientenzimmer nur provisorisch. In ihnen sollen später dann weitere Personalräume eingerichtet werden.

Die kleine Evelina ist mit ihrem neuen Zimmer sehr zufrieden. Der Fernseher hängt zwar noch nicht, aber wenigstens bleibt die Zimmergenossin die gleiche. Und das zählt für sie mehr als Zimmergröße und Wandfarbe.

Von Lasse Deppe

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