Posaunenchor des CVJM spielt sonntags seit 115 Jahren auf dem Turm der Stadtkirche

Bei Frost kein Morgengruß

Immer sonntags: Die Turmbläser des CVJM senden ihren musikalischen Gruß vom Turm der Bad Hersfelder Stadtkirche. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Sonntag für Sonntag – pünktlich um 9.30 Uhr – sendet der Posaunenchor des CVJM seit nunmehr 115 Jahren seinen musikalischen Morgengruß vom Turm der Bad Hersfelder Stadtkirche in alle vier Himmelsrichtungen.

Seit dem 5. Mai 1901 wird die Tradition bei Wind und Wetter, selbst in Kriegszeiten, aufrechterhalten. Während des zweiten Weltkriegs waren es Pfarrer Gerhard Sure, Heinrich Hahn und Gustav Hilschert, die das Turmblasen übernahmen und so den Menschen in schweren Zeiten ein wenig Trost spendeten und Hoffnung gaben, erinnert sich Hans Georg Franke. Lediglich bei starkem Frost müssen die Hersfelder auf den sonntäglichen Morgengruß verzichten, da bei Temperaturen unter minus 4 Grad die Ventile der Instrumente innerhalb kürzester Zeit einfrieren würden.

Franke, der in diesem Jahr seinen 79. Geburtstag feierte, stand bereits vor 70 Jahren mit dem Posaunenchor auf dem Turm, durfte damals allerdings als „Jungbläser“ noch nicht mitspielen, sondern musste noch fleißig üben, wie er schmunzelnd erzählt. Heute ist er sozusagen „Chef“ der Turmbläser, steigt jeden Sonntag als erster die steilen Treppen – laut Wikipedia sind es 222 Stufen – empor und als letzter auch wieder herunter, um die Tür zum Turm hinter sich abzuschließen.

Bevor die Bläserriege ihre Choräle erklingen lässt, hält Franke in der ehemaligen Türmerwohnung noch eine kurze Andacht und liest die Wochenlosung. Erst dann geht es hinaus auf den die Turmspitze umlaufenden Wachgang – die Musiker nehmen Aufstellung und beginnen zu spielen.

Seitenwechsel

Nach jeder Strophe wechseln die Bläser die Turmseite, sodass die Musik in alle vier Himmelsrichtungen über die Stadt getragen wird und wirklich jeder weiß – es ist Sonntag. Dabei ist es Franke wichtig, dass die Turmchoräle für alle Menschen, egal ob Christen, Muslime oder Atheisten erklingen und ihnen Freude bringen sollen.

Von Thomas Landsiedel

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